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Galerie: Vergleichstest BMW X6 xDrive 50i vs. Infiniti FX50S

Vergleichstest: BMW X6 xDrive 50i vs. Infiniti FX50S

Elefanten-Ballett

20.12.2010

So groß, klopsig und schwerfällig sie sind, kann man sich Elefanten kaum bei ballettähnlichen Übungen vorstellen. Gleiches gilt für die beiden Über-SUV BMW X6 und Infiniti FX, denen auf den ersten Blick niemand sportwagenähnliches Fahrverhalten zuschreiben wird. Doch schon nach wenigen Metern wird man belehrt, dass Elefanten doch Ballett tanzen können.

Sieht man sich den fast 2,3 Tonnen schweren BMW X6 xDrive50i an, fällt es schwer zu glauben, dass dieser Koloss nur wenige Sekunden mehr braucht als ein M3, um die Nordschleife zu umrunden. Nach gut achteinhalb Minuten kommt das SUV wieder am Ausgangspunkt an, erleichtert um einige Liter Treibstoff.

Denn Spritökonomie ist dem bärenstarken Bajuwaren ein Fremdwort, zumindest in der Praxis. Zwar schluckt der 4,4-Liter-Doppelturbo-V8 im EU-Zyklus „nur“ 12,5 Liter auf 100 Kilometer. Doch ist dieser Wert im Alltag nahezu unerreichbar und schon gar nicht unter Fahrspaß-Bedingungen. Fast fünf Liter mehr verbrannte unser Testwagen, bei zugegeben flotter, aber eben standesgemäßer Fahrt – typisch Turbo. Oder kaufen Sie ein 407-PS-Auto um damit die 30-er-Zonen Ihrer Stadt auf und ab zu schleichen? Sicher nicht.    

Ein SUV als Coupé

Galerie: Vergleichstest BMW X6 xDrive 50i vs. Infiniti FX50SDie formidable Nürburgringzeit erklärt, zusammen mit dem Sprintwert von gemessenen fünfeinhalb Sekunden auf Tempo 100, warum BMW beim X6 nicht von einem SUV sprechen will. Ein SAC sei der X6, ein Sports Activity Coupé. Das passt zwar nicht ganz zur gängigen Vorstellungen, dass ein Coupé nur zwei Türen hat, doch das hohe Heck, die stark abfallende Dachlinie und nicht zuletzt die Beschränkung auf zwei Plätze im Fond tragen der Bezeichnung Rechnung.

Mit seiner außergewöhnlichen Karosserie polarisiert der X6 noch wie bei seiner Markteinführung, ein echter Hingucker ist er allerdings nicht mehr. Zumindest in der BMW-Heimat München dreht sich kaum mehr jemand nach dem im US-amerikanischen Spartanburg gefertigten SAC um. Man muss beim Ampelstart schon die vollen, bulligen 600 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle stemmen und begleitet von tiefem V8-Blubbern davonschnellen, um etwas Aufsehen zu erregen.

Fällt auf

Leichter geht das Auffallen mit dem Infiniti FX50S; nicht unbedingt aus leistungstechnischer oder akustischer Sicht, ganz sicher aber aus optischen und erst recht aus Exklusivitäts-Gründen. Denn von dem bulligen SUV mit mächtigem Kühlergrill, markanten Scheinwerfern im Krokodil-Look und einer noch viel coupéhafteren Fenstergrafik als beim X6, hat die Nissan-Nobeltochter Infiniti im laufenden Jahr nur knapp 250 Fahrzeuge verkauft. Zum Vergleich: Der X6 ging 2010 rund 4.500 Mal in Deutschland über den Ladentisch – 3.700 davon allerdings mit Diesel.

Keine Frage, dass der Japaner, wenn er denn mal zu sehen ist, die Blicke viel stärker auf sich zieht. Und nicht nur die Blicke: Immer wieder wurden wir während unseres Tests auf den FX angesprochen.  Zumal die meisten Passanten allein mit der Marke Infiniti nicht viel anfangen konnten; was beweist, dass die Asiaten es nicht leicht haben werden, auf dem deutschen Markt zu bestehen. Diese leidige Erfahrung hat etwa auch Toyota mit seiner Edel-Tochter Lexus machen müssen, die selbst nach Jahrzehnten hierzulande noch nicht wirklich angekommen ist.

Gute Qualität

Galerie: Vergleichstest BMW X6 xDrive 50i vs. Infiniti FX50SNicht vorwerfen lassen muss sich Infiniti, mit lumpigen Produkten anzutreten. Der FX ist dem X6 ebenbürtig, und dazu im Grundpreis noch 5.000 Euro günstiger bei deutlich besserer Ausstattung. Gefallen muss einem allerdings das verspielte Interieur, das die japanische Vorliebe für viele Tasten demonstriert. Auch die blau-rot illuminierten Rundinstrumente entsprechen auf den ersten Blick nicht dem hiesigen Premium-Anspruch, sehen sie doch ein wenig nach Computerspiel aus; die gute Ablesbarkeit entschädigt dies aber schnell. Eindeutig nobler als im BMW kommen die schweren Ledersessel mit diamantförmigen Ziernähten und eingesticktem Logo daher – und sie sind nicht nur schick, sondern mindestens so bequem wie das Münchner Gestühl.

Sauger statt Turbo

Unter der stark konturierten Infiniti-Haube, steckt ein V8, der anders als der turbogeladene BMW mit konventioneller Saug-Technik arbeitet und mit fünf Liter Hubraum über einen halben Liter mehr Platz in seinen Brennkammern hat. Der Leistungsunterschied ist marginal, 390 PS können im Infinit abgerufen werden. Etwas deutlicher fällt die Differenz beim Drehmoment aus, wo dem Japaner mit 500 Newtonmetern ganze 100 Zähler gegenüber dem BMW fehlen.

Galerie: Vergleichstest BMW X6 xDrive 50i vs. Infiniti FX50SDas macht sich zwar beim Standardsprint bemerkbar, den der X6 sieben Zehntel schneller als der FX50S absolvierte, der sich für diese Disziplin 6,2 Sekunden gönnt. Auf der Straße dürfte dies jedoch niemandem auffallen. Vielmehr erfreut der Infiniti im Alltagsbetrieb mit seiner saugertypischen, harmonischen Entfaltung der Kraft, die von einer schnellen und trotzdem sanft schaltenden Sieben-Gang-Automatik verwaltet wird.

Dass der Japaner einen Gang mehr hat, als der BMW, gereicht ihm allerdings nicht zum Vorteil in Sachen Spriteffizienz. Auf dem Papier braucht er mit 13,1 Liter sogar einen halben Liter mehr, in der Praxis mit 17,3 Litern je 100 Kilometer nahezu gleich viel.

Mehr Sport als Komfort

Galerie: Vergleichstest BMW X6 xDrive 50i vs. Infiniti FX50SVon SUV-typisch weichem Fahrwerk fehlt beiderseits jede Spur. X6 xDrive 50i und FX50S kommen mit fast sportwagenähnlicher Abstimmung daher – oder, um mit dem anfänglichen Bild zu sprechen: Ein Bretterboden fürs Ballett ist eben keine weiche Wiese. Im Infiniti kann der Fahrer per Tastendruck die Dämpfer justieren, beziehungsweise zwischen dem Auto- und Sport-Modus wechseln. Eine ausgesprochene Komfortstellung gibt es nicht. Dabei wäre die, nicht zuletzt in Anbetracht der serienmäßigen 21-Zoll-Räder gerade im Alltagsbetrieb wünschenswert.

Der Komfortmodus fehlt allerdings auch dem BMW, der auf 20-Zöllern (2.100 Euro Aufpreis) anrollte; ordert man das Adaptive Drive System, kann man zwischen Normal und Sport wählen. Im direkten Vergleich ist der X6 harmonischer als der Infiniti, der vor allem bei kurzen Stößen etwas hölzern wirkt. Geht es um Querdynamik, nehmen sich beide Allradler nicht viel und lassen sich mit ihren beiderseits direkten Lenkungen auch mit hohem Tempo um die Kurve scheuchen; übertreibt man es, beginnt der Japaner einen Ticken eher zu untersteuern.

Preisvorteil Infiniti

Galerie: Vergleichstest BMW X6 xDrive 50i vs. Infiniti FX50S71.500 Euro ruft Infiniti für den FX50S auf, die einzige zuwählbare Option ist die Metallic-Lackierung für 900 Euro. Von Rückfahrkamera mit Rundum-Sicht-Funktion, über 14-fach elektrisch einstellbare Leder-Sportsitze mit Memory-Funktion, dem Abstandstempomaten, das Navigationssystem bis hin zur Bose-Anlage mit elf Lautsprechern ist alles an Bord. Davon können BMW-Käufer nur Träumen, die auf die 76.800 Euro Grundpreis noch ein Stange Geld drauf packen müssen, wollen sie einen ähnlich gut ausgestatteten X6.

So verlangt BMW für das schlüssellose Zugangssytem 990 Euro, für das adaptive Fahrwerk 3.290 Euro, die 20-Zöller (21 Zoll gibt es ab Werk nicht) kosten 2.100 Euro, der Abstandstempomat schlägt mit 1.550 Euro zu Buche, die Parkhilfe mit Rundum-Kamera kostet 1.460 Euro, Kurvenlicht 480 Euro, ein USB-Anschluss 300 Euro und das Navigationssystem mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung 4.000 Euro. Summa summarum Ausstattung im Wert von fast 15.000 Euro, die der Infinit ab Werk mitbringt.

Fazit

Infinit FX wie auch BMW X6 sind gewiss keine Autos für jedermann, eine gewisse Extrovertiertheit schadet nicht. Wessen höchstes Begehr ist, aufzufallen, der muss zum Infiniti greifen. Der FX zieht die Blicke magisch an. Und wer dazu noch Geld sparen will, ist bei den Japaner ebenfalls Richtig. Rund 20.000 Euro ist der Infiniti günstiger als ein vergleichbar ausgestatteter BMW.

Warum also den BMW kaufen? Weil man etwas mehr Leistung hat. Weil er den Standardsprint etwas schneller erledigt. Weil er das harmonischere Fahrwerk hat. Weil er etwas agiler ist. Aber ist das 20.000 Euro Wert? Für BMW-Jünger bestimmt.

 

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