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Test: Mercedes-Benz G-Klasse 350 d

Test: Mercedes-Benz G-Klasse 350 d

Nicht nur von Männern geliebt

12.01.2018

Ich bin in der Redaktion dafür bekannt, dass ich gerne schnelle Autos teste. Oder große. Doch das stößt bei den Kollegen nicht immer auf Gegenliebe. Meistens darf ich mir anhören: „Warum so ein großes Auto?“, „Muss der wirklich so viel PS haben?“, „Den kannst du ja gar nicht richtig ausfahren.“, „Der ist doch total unpraktisch in der Stadt.“ Und, und, und… Jetzt, wenige Wochen bevor Mercedes die neue G-Klasse vorstellt, wollte ich das Urgestein noch einmal testen, zum Abschied. Und dieses Mal hatte ich den Bogen scheinbar überspannt: „Du hast sie doch nicht mehr alle! Was willst du mit diesem Kasten?“ tönte es mir entgegen, als der Wagen auf den Hof rollte. An diesem Tag nahm ich mir vor, den Kollegen nicht mehr zu erzählen, welchen Testwagen ich gerade fahre.

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dGalerie

„Die haben doch alle keine Ahnung,“ dachte ich mir, und machte mich alleine auf. Nur die G-Klasse und ich. Ich wollte dort hin, wo nicht jeder mit seinem Auto hinkommt. Eine Ziel war schnell gefunden – es sollte in die Berge gehen. Also in München auf die Autobahn und ab in den Süden, an die österreichische Grenze. Schnell war ich mitten in der Natur, und umgeben von Wald, Gebirge und kleinen Flüssen, entdeckte ich einen schmalen Weg, der von der Straße abführte. Da musste ich hin.

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dEs knirschte unter den Rädern, der Weg war jüngst wohl mit vielen feinen weißen Kieselsteinen neu bedeckt worden. Und er wurde immer weicher. Und immer holpriger. Doch die G-Klasse marschierte so souverän durch den steinigen Untergrund, dass ich mich wie auf der Autobahn fühlte. Allerdings sollte die plötzlich ziemlich nass werden: Nach einer Biegung kreuzte der Bach, der zuvor so sanft neben der Straße entlang mäanderte, meinen Weg. Wie von allein ging meine Hand zum Automatikwählhebel auf dem Mitteltunnel – ja, beim alten G ist er noch nicht am Lenkrad! – um den Rückwärtsgang einzulegen. Ein Gedanke, den ich aber schnell verworfen habe: Schließlich sitze ich ja in einer G-Klasse. Und die ist schließlich für eins gemacht: Echte Abenteuer.

Abenteuer, die keine sind

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dDass die mit dem G auch ziemlich unspektakulär sein können, hatte ich zuvor nicht bedacht. Ein leichter Tritt aufs Gaspedal, schon nahm der 245 PS starke V6-Diesel in meinem G 350 d wieder die Arbeit auf, und der Benz fuhr einfach durchs Wasser. Das ihn das Wasser dabei am Bauch kitzelte und die Räder eine Extra-Wäsche bekommen, schien den Geländewagen nicht im geringsten zu interessieren. Das alles war deutlich weniger aufregend, als ich es mir erhofft hatte, aber dennoch fühlte ich mich großartig. Ich hielt an, öffnete das Schiebedach und lugte hinaus: Hier war alles viel ruhiger, alles unberührt – okay, bis auf die Fahrspuren die ich hinterlassen hatte –, kurzum: Natur pur. Und ich mitten drin.  

  • Technische Daten - Mercedes-Benz G-Klasse 350 d

G 350 d: 3,0-l-V6-Diesel

•Leistung: 245 PS (180 kW) bei 3.600 U/min

•Drehmoment: 600 Nm zwischen 1.600 und 2.400 U/min

•Getriebe: 7-Gang-Automatik, Allradantrieb

•0-100 km/h: 8,8 s

•Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h

•Verbrauch: 9,9 l/100 km (NEFZ)

•CO2: 261 g/km

•Länge: 4,764 m

•Breite: 1,867 m / 2,056m

•Höhe: 1,954 m

•Radstand: 2,850 m

•Kofferraum: 487 l

Dass ich den G350d nicht an seine Grenzen bringen würde, das war mir klar. Und wahrscheinlich hätte auch ein ganz normales SUV mit guter Bodenfreiheit ausgereicht, den kleinen Offroadparkurs zu meistern. Ob ich mich in so einem modernen, durchgestylten Hochbeiner auch wie einer der größten Abenteurer gefühlt hätte? Wahrscheinlich nicht.

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dDenn auch wenn die kleine Wasserdurchfahrt für den Benz ein Kinderspiel war, schwingen bei jeder G-Klasse doch gut 40 Jahre Expeditionserfahrung im Dschungel, in der Wüste, in der Antarktis und wo sonst noch über all mit. Ein Mythos, den auch das Interieur beflügelt: Hier sitzt man nicht in einer Wohlfühl-Wellness-Ambientelandschaft. Sondern in einem robusten Geländewagen. Einem echten Offroad. Eng, etwas angestaubt, aber über alle Dinge erhaben. Was will man mehr? Ein Mann, ein Auto und nichts als die freie Natur.

Mein Traumauto

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dAls ich einige Tage später im Büro Bilder von der G-Klasse sichtete, stand auf einmal eine Kollegin hinter mir und lugte mir über die Schulter auf den Bildschirm. Ich war schon auf Kritik vorbereitet und stellte innerlich auf Durchzug – doch die blieb aus. „Durftest du die G-Klasse fahren? Das ist mein Traumauto.“, entgegnete sie mir und ihre Augen strahlten. Scheinbar war ich doch nicht der einzige in der Redaktion, der auf große Autos steht. Und ehe ich mich versah, kamen noch zwei Kollegen an, und wollten plötzlich das Mittagessen nicht in der Kantine einnehmen, sondern eine kleine Ausfahrt zu einem Landgasthof machen.

Das Ende einer Legende?

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dAlso holte ich den Benz wieder aus der Garage und im Auto wurde von den dreien erstmal alles genau inspiziert – und trotz des etwas angestaubten Charakters für gut befunden. Umso größer die Enttäuschung, als ich ihnen mitteilte, dass diese G-Klasse in wenigen Wochen Geschichte ist. Auf der Auto Show in Detroit wird die Neuauflage der G-Klasse stehen! Immerhin konnte ich meine Kollegin beruhigen - auch in Zukunft wird der G ihr Traumauto bleiben, denn die Designer wären schön blöd gewesen, wenn sie an der kultigen Karosserie übergebührlich stark Hand angelegt hätten.

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dBeim Innenraum, den wir im Dezember schon unter die Lupe nehmen durften, macht der Benz dagegen einen großen Sprung nach vorne: Einer der größten Nachteile im alten G waren die wenigen Ablageflächen. Wo sollte das Telefon untergebracht, wo der Kaffee abgestellt werden? Mit der Neuauflage verschwindet der Automatikhebel vom Mitteltunnel ans Lenkrad, wodurch neue Ablageflächen mit Cupholdern geschaffen wurden. Doch nicht nur an den Kleinkram wurde gedacht, auch die Fahrgäste bekommen zukünftig deutlich mehr Platz.

Mehr Platz und mehr G-Flair

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dDoch damit nicht genug. Die bereits aus dem E-Klasse-Coupé bekannten Luftdüsen frischen den Innenraum auf und sollen ein noch dynamischeres Flair versprühen. Und wer rundum gut informiert sein möchte, kann zusätzlich zum High-Tech-Breitbild-Infotainmentdisplay aus der S-Klasse auch das digitale, 12,3 Zoll große Kombiinstrument ordern und mit den Touchpads auf dem neuen Lenkrad durch die Menüs manövrieren - ob die nach Arbeiten im Wald mit verschmutzen Händen noch reagieren, bleibt allerdings abzuwarten.

Test Mercedes-Benz G-Klasse 350 dAber keine Angst: Mercedes denkt auch weiterhin an seine traditionsbewusste Käufer und liefert den G auch weiterhin mit analogen Rundanzeigen aus. Und um den Mythos G-Klasse trotz des deutlich gesteigerten Komforts nicht verfliegen zu lassen, holten die Designer kurzerhand das Äußere gekonnt nach innen: Wer seinen Blick durch das Cockpit schweifen lässt, wird schnell erkennen, dass die seitlichen Luftdüsen an die runden Scheinwerfer erinnern, und die eckigen Lautsprecher auf dem Armaturenbrett die aufgesetzten Front-Blinker andeuten.

 
Fazit
hierTest Mercedes-Benz G-Klasse 350 d
Wer kastigen Fahrzeugen mit wahren Offroad-Genen etwas abgewinnen kann, der kommt um die Mercedes-Benz G-Klasse nicht herum. Allerdings muss man sich wirklich im Klaren sein: die Innenstadt von München, Berlin oder Hamburg ist nicht ihr Terrain. Also raus aufs Land, oder sich auf längere Parkplatzsuche im Großstadtdschungel einstellen.
 

Eins ist klar: Wer gerne abseits der Straße unterwegs ist, der findet in der G-Klasse einen robusten und zuverlässigen Alltagsbegleiter. Und vielleicht sollte man den anstehenden Modellwechsel für sich nutzen. Der Alte steht aktuell noch ab 80.444 Euro für den G 350 d Professional beim Händler, doch wer noch ein bisschen auf seinen Offroad-Traum warten kann, kann vielleicht ein günstiges Angebot ergattern, sobald die Ablöse in den Startlöchern steht.

 

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