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Galerie: Test Lotus Evora

Test: Lotus Evora

Alltags-Lotus

25.10.2010

Für eingeschworene Lotus-Fans dürfte schon mit dem Einzug elektrischer Fensterheber und einer Klimaanlage in der Elise eine Welt zusammengebrochen sein. Doch der 2009 eingeführte Evora wird ihnen das Herz zerissen haben, verfügt er doch als derzeit einziger Lotus über eine Servolenkung. Das mag den puristischen Sportwagen-Charakter mindern, die Alltags-Tauglichkeit erhöht es aber allemal.  

Eins vorweg: Erhöhte Alltags-Tauglichkeit heißt nicht, dass sich auch Menschen mit Bandscheibenvorfall einen Evora kaufen sollten. Der Einstieg gelingt zwar dank größerer Türen, schmalerer Schweller und höher als in der Elise montierter Sitze einfacher, gleicht aber vor allem bei größeren Fahrern immer noch einer Übung aus dem Yoga-für-Anfänger-Kurs. Zumal, wenn man in den Fond will.

Fond-Sitze gegen Geld

Galerie: Test Lotus EvoraRichtig gehört: Der Evora ist gegen dreieinhalbtausend Euro Aufpreis nämlich ein Vier-Sitzer, womit wir wieder beim Praxisnutzen sind. Zwar kommt es auf der Rückbank leicht zu Beklemmungsgefühlen, doch besteht immerhin die Möglichkeit, auf kurzen Strecken auch mal mehr als einen Gast mitzunehmen. Außerdem ist die Rückbank ein gern genutzter Platz, um den Kofferraum zu vergrößern; 160 Liter Gepäckraum sind nicht gerade reichlich.

Alltagsnutzen hin und her, optisch ist auch der Evora ein Vollblut-Sportwagen, wie man ihn von Lotus kennt und der auf der Straße mit seiner tiefen Schnauze, den typischen, runden Rückleuchten und einem wenig dezenten Spoiler die Blicke auf sich zieht. Dass er ein 2+2-Sitzer ist, verrät er von außen nicht. Für den Evora wurde übrigens extra ein neues Aluminium-Chassis entwickelt, das mit 208 Kilogramm allerdings mehr als das Dreifache der Elise-Plattform wiegt, dafür aber auch deutlich steifer ist.

Wohlfühlen mit kleinen Mängeln

Galerie: Test Lotus EvoraHat man sich erstmal in den Evora reingefaltet, sitzt man auf den dünnen Sportsitzen von Recaro recht kommod, selbst auf längeren Strecken. Und auch das Cockpit ist nicht so karg, wie man es von anderen Modellen des malayisch-britischen Herstellers kennt; sportliche Metalltasten und sauber verarbeitetes Leder meistern den Spagat zwischen Purismus und Wohlfühlambiente. Nur im Fußraum ist es ungemütlich eng, für den linken Fahrerfuß gibt es kaum Platz.

Noch etwas mehr Kritik gefällig? Die schicken Metall-Tasten sind mit ihrer schlechten Hintergrundbeleuchtung schwer zu erkennen und ob zum Beispiel das Licht jetzt an oder aus ist, ist nicht ganz einfach auszumachen. Die Instrumente spiegeln leicht und sind nur mäßig gut ablesbar, Ablagen sucht man wie in jedem Lotus vergebens und die Bedienung des optionalen Navigations- und Radio-System von Alpine ist fummelig und hat sich selbst uns nicht ganz erschlossen. Eigentlich sollte man darauf verzichten, allerdings gibt es Parksensoren (die wegen der schlechten Übersicht unabdingbar sind) und Tempomat nur im Technik-Paket mit dem Navi.

Deutlich mehr Komfort

Galerie: Test Lotus EvoraSehr zum Wohlfühlen lädt dagegen, ganz Lotus-untypisch, das Fahrwerk ein. Mit Eibach-Federn und Bilstein-Dämpfern ist zwar auch der Evora bestens für sportliche Einsätze gerüstet und durchaus ein straffer Geselle, doch bietet er deutlich mehr Komfort als etwa die Elise und macht auch auf schlechten Wegen eine gute Figur und keine Rückenschmerzen.  

Unter der Haube, Pardon, hinter den Sitzen, wartet ein weiteres Novum: Ein Sechs-Zylinder-Motor. Bislang wurden alle Lotus-Modelle entweder von einem Vier- oder Acht-Zylinder-Aggregat angetrieben. Der dreieinhalb Liter große V6 im Evora stammt von Toyota und wird bei den Japanern unter anderem im Camry angeboten, mit strammen 268 PS.

Nicht ganz so giftig

Galerie: Test Lotus EvoraFür den Einsatz im nur 1.382 Kilogramm schweren Lotus wurde der Motor überarbeitet und – wie sollte es anders sein – die Leistung angehoben: 280 PS entwickelt der quer eingebaute V6 im Evora und generiert bis zu 350 Newtonmeter. Typisch Sportwagen: Die maximale Kraft liegt erst bei 4.700 Touren an, die vollen Pferdestärken bei hohen 6.400 Umdrehungen. Und auch eine emotionale Soundnote kommt erst im hohen Drehzahlbereich richtig zur Geltung.  

Diesen zu erreichen, ist kein Problem, wenngleich der Motor nicht ganz so giftig und drehfreudig arbeitet, wie etwa die aufgeladenen Vier-Zylinder in der Elise. Brachiale Kraftentfaltung weicht im Evora einer gleichmäßigen Leistungsabgabe, selbst im optionalen Sportmodus mit direkterer Gasannahme. Doch der nah am Lenkrad positionierte Schalthebel erlaubt schnelle Wechsel der sechs Gänge und so lässt sich die Nadel des Drehzahlmessers mühelos nach oben treiben; und auch der Verbrauch, im Schnitt auf rund zwölf Liter. In 5,1 Sekunden reißt der Evora die Tempo-100-Marke, maximal sind 261 km/h drin; eine elektronische Abregelung kommt bei Lotus nicht in Frage.  

Lange neutral

Galerie: Test Lotus EvoraTypisch Mittelmotor-Sportler glänzt der Lotus lange Zeit mit sehr neutralem Fahrverhalten, selbst bei hohem Kurventempo bleibt der Evora stabil, solange man keine übertriebenen Lastwechsel provoziert. Den Befehlen der direkten Lenkung folgt der Lotus artig; das können auch die Gegner der Servolenkung nicht schlechtreden.

In den Grenzbereich sollten sich allerdings nur begabte Fahrer wagen, denen bekannt ist, dass ihnen, wenn sie es übertreiben, das Kreiseln um die eigene Achse droht. Ein elektronisches Stabilitätsprogramm gibt es nämlich nicht, sondern nur eine deaktivierbare Traktionskontrolle. Doch auch die muss nicht oft eingreifen, der Brite hat nur selten Nöte, die Kraft mit seinen 255er-Hinterreifen auf die Straße zu bringen.

Galerie: Test Lotus EvoraFür die Zukunft ist übrigens ein richtiges ESP vorgesehen und außerdem hat Lotus zwei weitere Varianten in petto: Den leistungsgesteigerten Evora S mit 280 PS, den wir Ende Oktober 2010 erstmals testen dürfen und – das dürfte für die puristischen Lotus-Jünger der nächste Schock sein – eine Version mit Automatikgetriebe. Dass ist zwar ganz und gar nicht Lotus-typisch, passt aber zum gestiegenen Alltags-Komfort des Evora.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Lotus Evora
     
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   3.456 / V6, Mittelmotor
Leistung (kW (PS) / U/min)   206 (280) / 6.400
Drehmoment (Nm / U/min)   350 / 4.700
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   Sechs-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.342 / 1.848 / 1.223
Radstand (mm)   2.575
Wendekreis (m)   11,5
Leergewicht  (kg)   1382
Kofferraum (Liter)   160
Bereifung Testwagen   v: 225/40 ZR 18, h: 255/35 ZR 19
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   8,5
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   199 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   12
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   32,7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   261
Preise    
ab (Euro)   59.950,00
Empfohlene Extras   Fond-Sitze (3.550 Euro), Technikpaket (inkl. Navigationssystem, iPod-Anschluss, Tempomat und Parksensoren, 3.490 Euro), Bi-Xenon-Licht (990 Euro)
 
Weitere Daten
Weitere Daten
 

Fazit

Knapp 60.000 Euro sind kein Schnäppchen, doch anders als bei der Elise bekommt der Kunde mit dem Evora nicht nur ein tolles Spielzeug, sondern tatsächlich ein alltagstaugliches Auto. Der leichtere Einstieg, der gestiegene Fahrkomfort, das schicke Cockpit und nicht zuletzt die optionalen Fondsitze sprechen für den Evora. Seine Sportwagen-Gene verleugnet er trotzdem nicht, weder optisch, noch was die Fahrleistung anbelangt. Zwar mag der V6 nicht ganz so bissig ans Werk gehen, wie die Kompressor-Vier-Zylinder in der Elise, doch kann auch der Evora selbst eingefleischte Fahrdynamiker begeistern.    

Galerie: Test Lotus Evora

 

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