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Galerie: Test Audi SQ7

Test: Audi SQ7

Die Diesel-Düse

02.02.2018

Vergessen wir mal für einen Moment die Diesel-Diskussion. Reden wir nicht von Abgastests, von Schummeleien, von Stickoxidgrenzwerten. Dass hier vieles im Argen liegt, ist außer Frage. Aber: Die selbstzündende Technik hat auch eine anderes Seite, und zwar eine herrlich sportlich und dynamische. Sein ganzes Potenzial entfalten darf der Diesel im Audi SQ7 – und wirft unweigerlich die Frage auf, wieso Sportwagen eigentlich fast immer mit Benziner vorfahren.

Über fünf Meter Länge und mehr als 2,3 Tonnen Leergewicht klingen nicht wirklich nach einem dynamischen Fahrzeug, und wer dem Audi SQ7 ins Gesicht schaut, sieht als erste ein großes, ein ganz großes SUV. Die schlundartigen Lufteinlässe, ein bisschen Chrom hier und da und die breiten Backen, das sieht, zugegeben, schon nach Fitnesstudio aus. Ein athletischer Usain Bolt ist der Ingolstädter aber sicher nicht, er ist eher der Typ Muskelbär wie Robert Harting. Dass er dem jamaikanischen Meisterläufer in Sachen Sprintfähigkeit dennoch das Wasser reichen kann, liegt an dem ganz besonderen Doping, das die Entwickler der Wuchtbrumme haben zu kommen lassen. Stichwort: Dreifache Aufladung.

Zwei Turbos, ein E-Verdichter

Galerie: Test Audi SQ7Der Reihe nach: Herzstück des SQ7 ist sein vier Liter großer Achtzylinder-Diesel, dem standardmäßig zwei Turboschaufeln Frischluft in die Brennkammern pressen. Dass allein aber sorgt noch nicht dafür, dass der Audi beim leichtesten Zucken im rechten Fuß abgeht wie Schmidts Katze. Diese ständige Bereitschaft zum Sprung, diese andauernde Lauerstellung, aus der der Audi mit Leichtigkeit zum Sprint ansetzt, verdankt der V8 der dritten Aufladung: Ein elektrisch angetriebener Verdichter (EAV) unterstützt die beiden Turbos in der Beschleunigungsphase.

Galerie: Test Audi SQ7Anders als die Abgaslader braucht der E-Verdichter nicht erst einen gewissen Luftstrom um in Fahrt zu kommen, sondern kann binnen eines Wimpernschlags – genauer gesagt innerhalb von 250 Millisekunden – auf 70.000 (!) Umdrehungen pro Minute gebracht werden. So kann der von Valeo zugelieferte EAV in Windeseile Ladedruck aufbauen, der in dieser unvergleichlichen Schnellkraft zum Ausdruck kommt: 435 PS und heftige 900 Newtonmeter bei nur 1.000 Umdrehungen sorgen dafür, dass der Standardsprint in 4,8 Sekunden abgehakt wird – mit einem zweieinhalb Tonnen schweren Koloss!

Völlig unaufgeregt

Galerie: Test Audi SQ7Quasi ohne Unterbrechung zieht der SQ7 vom Stand weg durch, die Achtgang-Automatik schaltet ebenso schnell wie unauffällig durch die einzelnen Übersetzungen und der Allradantrieb schickt die Kraft immer an die Achse, die sie am besten auf die Straße bringt. Das alles geschieht so unaufgeregt, so aus dem Hemdsärmel geschüttelt, als wäre es ein Kinderspiel; nichtmal besonders laut wird der Audi bei Vollgas-Eskapaden. Dass diese Leichtigkeit den Ingenieuren trotzdem einiges abverlangt hat, ist klar. Der E-Verdichter konnte schließlich nicht einfach so eingebaut werden. Voraussetzung dafür ist ein 48-Volt-Bordnetz, sonst wäre gar nicht genug Strom da, um das Schaufelrad so schnell zu drehen.

Galerie: Test Audi SQ7Und weil die 48 Volt nunmal schon im Auto sind, nutzt Audi die Technik gleich noch für ein weiteres Schmankerl: Die Wankstabilisierung. Das von Schaeffler entwickelte System besteht im Grunde aus einem E-Motor mit dreistufigem Planetengetriebe, der die beiden Hälften des Stabilisators trennt. Je nach Untergrund kann so zusammen mit der Luftfederung mit elektronisch geregelten Dämpfern der Federungskomfort erhöht werden oder durch aktive Verdrehung der Stabi-Hälften gegeneinander ein Wankausgleich bei flotter Kurvenfahrt erzielt werden.

Bretteben durch die Kurve

Klingt nach aufwendiger Physik, und ist es auch. Was aber zählt, ist das Ergebnis: Und das ist im Extremfall ein bretteben auf der Straße liegender Q7, der auch bei richtig hoher Kurvengeschwindigkeit nicht zur Seite einknickt und Biegung um Biegung mit stoischer Gelassenheit nimmt. Weder das Über-SUV selbst gerät aus der Ruhe, noch werden die Passagiere merklich hin und her geschleudert.  

Galerie: Test Audi SQ7Keine Frage: Mit dem richtigen Fahrer am Steuer hängen ein Porsche 911, ein AMG GT, ja auch ein BMW M4 den SQ7 bestimmt ab, denn Technik hin oder her: die Naturgesetzte können die Audi-Mannen auch nicht aushebeln und ein grober Klotz von zweieinhalb Tonnen wird nie zum leichten Flachdach-Flitzer. Im normalen Straßenverkehr gibt es nicht wenige, die schier vom Glauben abfallen, wenn der SQ7 nonchalant bei Tempo 220 auf die linke Spur zieht und einfach nochmal eine Schippe drauf legt. Oder auf der geschwungenen Landstraße einfach mir nichts, dir nichts lustvoll davon braust.

Ein Sportler für den Alltag

Galerie: Test Audi SQ7Das besondere: Der Audi SQ7 ist nicht nur ausgesprochen dynamisch, sondern auch komfortabler Gentleman-Gleiter zugleich. Anders als in einen Ferrari oder Aston Martin kommen auch große Menschen problemlos in das SUV rein und raus und während sich manch Sportler seine Agilität mit übertriebener Härte erkauft, federt der Audi, wie erwähnt, auf Wunsch butterweich alle Unebenheiten weg. Und: Er ist natürlich deutlich praktischer als ein knapper Zweisitzer, hinten können problemlos drei Gäste mitreisen und in den Kofferraum geht mit rund 900 Litern genug für die flotte Urlaubsreise.

Außerdem ist der SQ7 mit fast allen technischen Helferlein bestückt, die das Audi-Regal hergibt. Nicht nur, dass er selbst bremst, den Toten Winkel im Auge hat, beim Linksabbiegen auf den Gegenverkehr achtet und nachts Ausschau nach Personen auf der Straße hält: Bis 65 km/h kann das SUV im Stopp-and-Go sogar das Steuer übernehmen. Damit ist der SQ7 einer der wenigen Sportwagen, mit denen sogar der Stau Spaß macht.

 
Fazit
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Eigentlich kann ein Auto wie der knapp 90.000 Euro teure SQ7 nicht von dieser Welt sein: Fast zweieinhalb Tonnen Gewicht in unter fünf Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen, ist ein Meisterwerk und zeigt eindrucksvoll, dass der Diesel nicht nur böse ist, sondern auch ziemlich faszinierend! Vor allem: Würde man das gleiche Kunststück mit einem Benziner schaffen wollen, man käme nie und nimmer auf einen Normverbrauchswert von nur 7,2 Litern je 100 Kilometer. Dass die bei artgerechter Haltung auch im SQ7 eher theoretischer Natur sind, ist allerdings auch klar.
 
 

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