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Kurztest: Chevrolet Corvette Stingray

Kurztest: Chevrolet Corvette Stingray

Feines Monster

13.06.2014

Plumb, ungehobelt, protzig – solche Adjektive verbinden viele mit der amerikanischen Sportwagen-Ikone schlechthin: der Corvette. In der nunmehr siebten Generation, die jetzt auch offiziell in Deutschland angeboten wird, räumt sie allerdings in einigen Punkten mit diesen Vorurteilen auf. Mehr denn je handelt es sich um einen verblüffend feingeschliffenen Extrem-Dynamiker zum Schnäppchen-Preis.

Kurztest Chevrolet Corvette StingrayGalerie

Bereits optisch gibt sich die neue Corvette deutlich perfektionierter, ist sie doch entgegen der landläufigen Meinung recht kompakt ausgefallen, kauert flach und schlank und außerdem aufregend schick auf dem Asphalt. Obwohl noch immer unverkennbar eine Corvette, trumpft sie im Vergleich zum Vorgänger mit einem deutlich filigraneren Blechkleid auf – mit scharfen Kanten, großen Sicken und fescher LED-Lichttechnik. Cool ist der Kontrast von gelben Bremssätteln der zupackenden Brembo-Stopper zur ansonsten komplett in Endzeit-Schwarz lackierten Außenhaut unseres Testexemplars.

Leichte Klappe, viel dahinter

Kurztest Chevrolet Corvette StingrayEine Überraschung bietet das Öffnen der Motorhaube: Diese ist nämlich aus besonders leichtem Kunststoff, was Teil des umfassenden Leichtbau- und Innovationspakets ist. Darunter macht sich der mächtige V8-Small-Block breit, der Bewährtes und Neues bietet. Wie schon in der Vergangenheit verfügt der LT1 genannte Hubraumriese (6,2 Liter) über eine unten liegende Nockenwelle und Zweiventiltechnik. Neu sind allerdings eine variable Ventilsteuerung und eine der Effizienz zuträgliche Benzindirekteinspritzung sowie eine Zylinderabschaltung, die beim Spritsparen zusätzlich helfen kann. 12,0 Liter Normverbrauch sind angesichts der Motorleistung durchaus hinnehmbar, aber nicht meisterlich. Kleinere Motoren mit Aufladung bieten da bessere Bilanzen, wie zum Beispiel ein Porsche 911 Turbo, der 520 PS leistet bei 9,7 Liter Normverbrauch.

Wie auch bei früheren Corvetten wirkt der V8 nach dem Druck auf dem Startknopf grummelig und grob und tasten wir uns beim ersten Anfahren deshalb etwas vorsichtig an den Schleifpunkt der Kupplung heran. Bereits nach wenigen Metern hat man ein gutes Gefühl für das Pedalspiel und kann man den Boliden recht geschmeidig durch den Stadtverkehr dirigieren. Der Klang aus den machoartigen vier Auspuffendrohren kann zwischen manierlich und martialisch variieren, wobei hier Bollern statt Kreischen angesagt ist.

Verblüffend wohnlich

Kurztest Chevrolet Corvette StingrayEine weitere Überraschung bietet der Innenraum, in den man sich etwas tief hinein falten muss. War bei früheren Corvetten eher triste Hartplastik-Landschaft angesagt, ist das Ensemble deutlich wohnlicher geworden und wirken Materialien wie auch Verarbeitung wesentlich feiner als man bisher gewohnt war. Das ist noch nicht Porsche-Niveau, doch die Stingray-Kajüte hat Charme. Auffällig ist unter anderem das große, schick animierte Farbdisplay im Kombiinstrument, welches die klassisch analogen Rundinstrumente für Geschwindigkeit und Motordrehzahlen ersetzt. Auch die aufgeräumte Mittelkonsole mit einer funktionalen wie schicken Bedieneinheit der Klimaautomatik oder die Oberflächen in Karbonoptik sorgen zusammen mit einem guten Platzangebot für Wohlfühlatmosphäre, auf die man bei früheren Corvetten noch verzichten musste.

Entscheidender allerdings ist: Die Sitzergonomie für den Fahrer, der es sich einerseits recht bequem einrichten kann, der vor allem aber eine für sportliches Fahren perfekte Ergonomie vorfindet. Lenkradstellung, Sitzposition, Seitenhalt – so muss das in einem Sportwagen sein. Zumindest trifft das auf unseren Testwagen zu, der unter anderem mit den 1.850 Euro teuren Competition-Sportschalensitzen ausgestattet war. Wermutstropfen: Die Übersicht im Straßenverkehr ist mäßig.

Brutalo-Antrieb mit Öko-Allüren

Es geht bei einer Corvette für den Kunden allerdings vor allem um das Fahrspaß-Niveau und weniger um Alltagstauglichkeit. Verantwortlich ist dafür in erster Linie das gewaltige 466 PS und 630 Newtonmeter mobilisierendes Triebwerk, welches die nur knapp über 1,5 Tonnen leichte Ami-Flunder in 4,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und auf maximal 290 km/h katapultieren soll. Hinzu kommt außerdem ein feines Heckantriebshandling mit nahezu paritätischer Gewichtsverteilung auf den Achsen. Gekoppelt ist unser Testwagen an ein leicht hakelndes manuelles Siebengang-Getriebe, alternativ gibt es noch eine Sechsgang-Automatik.  

Technische Daten
 
Marke und Modell   Chevrolet Corvette Stingray
Version / Ausstattung   Coupé
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   162 / V8-Benzindirekteinspritzer
Leistung (kW / PS)   343 / 466
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   630 / 4.600
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   manuelle Sieben-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.493 / 1.877 / 1.239
Radstand (mm)   2.710
Wendekreis (m)   11,5
Leergewicht (kg)   1.539
Kofferraum (Liter)   287
Bereifung Testwagen   245/35 R 19 vorne, 285/30 R 19 hinten
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   12
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   279 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   290
Preise    
ab (Euro)   69.990
Empfohlene Extras   Abnehmbares Dachelement (1.850 Euro), Sportschalensitze Competition (1.850 Euro)
 
Weitere Daten
Weitere Daten
 

Und ebenfalls wählen kann der Fahrer zwischen fünf Fahrprogrammen, die für unterschiedliche Einsatzzwecke das optimale Setup bieten. So gibt es für den Alltagseinsatz einen Eco-, einen Schlechtwetter- sowie einen Tourenmodus. Zusätzlich stehen für sportliches Fahren beziehungsweise den Einsatz auf der Rennstrecke noch die Modi Sport und Track zur Wahl. Ob Federung, Drehmomentsteuerung, Bremscharakteristik, Anfahr-Schlupfkontrolle, Sperrdifferenzial oder Lenkung – alles wird in Sport oder Track auf maximale Performance hin optimiert. Und auch das ESP ist reagiert toleranter und lässt sich dieses für den Könner zudem komplett deaktivieren.

Relativ günstiges Vergnügen

Kurztest Chevrolet Corvette StingrayVon all diesen Technik-Schmankerln, die gewiss mehr als nur Spielereien sind, konnten wir uns auf unserer kurzen Testrunde allerdings nicht überzeugen. Die kleine Tour rund um Frankfurt hat uns lediglich angedeutet, dass der Motor vor allem bei höheren Drehzahlen einen enormen Druck aufbaut und sehr brutale Zwischensprints ermöglicht. Die von uns nur vorsichtig angetestete Kurvenperformance verspricht zudem feines Sportwagenniveau, wenngleich sich der Wagen insgesamt sehr manierlich und mit erstaunlich hohem Alltagskomfort bewegen lässt. Sowohl sportlich ambitionierte als auch komfortorientierte Insassen haben also durchaus Grund, sich in der neuen Corvette wohlfühlen und amüsieren zu können.

Den Spagat aus dynamischer Extremgaudi und gutem Komfort dürfte ein Porsche 911 dennoch etwas besser meistern und dürfte die Spreizung beim Zuffenhausener Dauerbrenner noch feiner sein. Dafür ist die im Grenzbereich vermutlich etwas grobere Corvette deutlich günstiger. Ein über 100 PS schwächerer Basis-Elfer kostet über 20.000 Euro mehr als die für 70.000 Euro auf Schnäppchen-Niveau eingepreiste Ami-Flunder. Insofern dürfte die Corvette auch in Deutschland wieder einige Fans in ihren Bann ziehen, die sich allerdings auf lange Lieferzeiten einstellen müssen, denn die in den USA auf längere Sicht ausverkaufte Corvette kommt in nur kleinen Stückzahlen nach Europa.

 
Fazit
hierKurztest Chevrolet Corvette Stingray
Hurra, die Corvette ist endlich da. Freuen dürfen sich Fans, oder solche die es werden wollen, auf eine in vielen Punkten optimierte, besonders heiße Pistensau. Optisch steht sie gut da, bietet einen gediegenen wie funktionalen Innenraum, der den Anforderungen an ein Alltagsauto in gleicher Weise wie den Bedürfnissen an ein sportliches Fahrzeug gerecht werden kann.

Sportlichkeit ist ohnehin DAS Thema der Corvette und dürfte diese, im Vergleich zum bereits sehr sportlichen Vorgänger, auf noch höherem Niveau liegen. Bestens austarierter Leichtbau, fein abgestimmte Regelelektronik, ein technisch aufgerüsteter, doch unvermindert Hubraum-schwangerer Macho-V8 mit Leistung im Überfluss – da dürfte auf der Rennstrecke kein Auge trocken bleiben, vor allem wenn man noch das herausnehmbare Hardtop entfernt hat.

Mag sein, dass die Corvette den Spagat aus purer Dynamik und Alltagskomfort nicht ganz so brillant wie ein Porsche 911 meistert, doch ist der flache Power-Chevy dafür um gleich mehrere zehntausend Euro günstiger als sein Konkurrent aus Zuffenhausen. Das ist auch was wert.
 
 

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