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Artikel veröffentlicht am: 09.03.2018

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Gebrauchtwagentest: Dacia Duster

Das verflixte fünfte Jahr

Mit dem Duster befreite sich Dacia 2010 endgültig aus der belächelten Billig-Ecke. Günstig ist das SUV zwar nach wie vor. In Sachen Styling, Alltagsnutzen und Funktionalität muss es sich vor der teureren Konkurrenz jedoch nicht verstecken. Nur beim TÜV schlägt sich die simple Technik der bis 2018 gebauten ersten Generation nicht immer vorbildlich.

Karosserie und Innenraum: Dass der Duster wie alle anderen Dacia-Modelle auf der Basis des Kleinwagens Renault Clio steht, ist ihm nicht anzusehen. Mit 4,32 Metern Länge und 1.636 Litern Gepäckraum ordnet sich der Rumäne je nach Sichtweise im oberen Mini-SUV- oder im unteren Kompakt-SUV-Segment ein. Das Raumangebot für die Insassen ist gut, Einstieg und Sitze durchaus bequem. Auch an der Verarbeitungsqualität innen gibt es nichts zu meckern, das Cockpit ist stabil und pflegeleicht eingerichtet. Die verwendeten Materialien sind dem Preissegment entsprechen allerdings relativ einfach gewählt. Gespart wurde auch an der Geräuschdämmung.

Simple und robuste Motoren

Wie bei der übrigen Technik bedient sich Dacia auch bei den Motoren im Renault-Regal. Und zwar vor allem in den Fächern mit den eher simplen und robusten Motoren. Basis-Triebwerk ist ein 1,6-Liter-Motor mit 77 kW/105 PS, den es auch in einer Autogasvariante gibt. Die Fahrleistungen des Vierzylinders sind mäßig, der Verbrauch recht hoch. Etwas besser macht es die 2015 eingeführte Variante mit 84 kW/114 PS, modernster Benziner ist der seit 2013 erhältliche 1,2-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 92 kW/125 PS. Besser zum Duster passen aber die diversen 1,5-Liter-Diesel mit 63 kW/86 PS bis 81 kW/110 PS. Bis 2015 erfüllen sie Euro-5-Vorgaben, danach Euro 6. Ungewöhnlich: Allradtechnik ist auf Wunsch mit fast allen Motoren kombinierbar, bei der Konkurrenz gibt es wenn überhaupt oft nur die starken Triebwerke mit 4x4-Option.

Keine 11.000 Euro kostet der günstigste Duster – ein eher theoretischer Preis. Wer beim Neuwagenkauf zumindest die nötigste Ausstattung will, muss nachzahlen. Und bei den Extras ist Dacia dann gar nicht mehr günstiger als die Konkurrenz. Wer es an Bord komfortabel haben will, sollte mindestens das Ausstattungsniveau „Lauréate“ wählen, ein wenig Luxus und schickere Optik bietet die Top-Linie „Prestige“. Sicherheitsbewusste Gebrauchtwagenkäufer sollten aber immer darauf achten, dass der Schleuderschutz ESP und vier Airbags an Bord sind, serienmäßig gibt es beides erst seit 2014. Immerhin: Anders als bei früheren Dacia-Modellen ist die Servolenkung immer an Bord.

Teure Probleme an Fahrwerk und Lenkung

Qualität hat ihren Preis – das bemerken Duster-Fahrer laut TÜV-Report spätestens im fünften Jahr. Dann nämlich nehmen die tendenziell teuren Probleme an Fahrwerk und Lenkung zu. Dass die Sparsamkeit auf die Langlebigkeit durchschlägt, ist aber auch schon früher zu sehen, etwa an der überdurchschnittlich hohen Mängelquote bei der Beleuchtung und dem hohen Verschleiß an der Bremse. Zudem ist der Auspuff rostanfällig. Die übrige Karosserie bleibt von Korrosion verschont – das war es dann aber auch schon fast mit positiven Aspekten. Weitere bekannte Ärgernisse betreffen die schadensanfälligen Getriebe und den starken Ölverlust beim Diesel.

Wer an der einen Stelle spart, zahlt an anderer drauf. Wer einen durchreparierten Duster erwischt oder etwas Geld für die Werkstatt zur Seite legt, kann mit dem Franko-Rumänen aber durchaus glücklich werden. Vor allem, wenn er ihn als Gelände- oder Zugfahrzeug nutzt, gibt es in dieser Preisklasse nur wenige Alternativen. Allgemein lohnt aber auch die Überlegung, statt eines gebrauchten ein fabrikneues Exemplar mit dreijähriger Garantie zu kaufen. Denn aufgrund des geringen Wertverlustes beim Duster sind die Gebrauchtwagenpreise in Relation zum Neupreis vergleichsweise hoch. (sp-x/hh/jms)