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Artikel veröffentlicht am: 12.01.2018

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Erster Test: Toyota GRMN

Da muss man schnell sein

Wer hätte das gedacht? Toyota weckt Emotionen und nicht nur bei Fahrern, die sich über einen sparsamen Hybriden freuen oder bei Betrachtern, die das Design des Crossovers C-HR polarisierend finden. Die Japaner bringen ab Februar den Yaris als Rennsemmel auf den Markt. Der 156 kW/212 PS starke Kleinwagen tritt gegen Wettbewerber wie VW Polo GTI, Peugeot 208 GTi, Mini Cooper S oder Renault Clio R.S. an. Mit 30.900 Euro ist der in Europa auf insgesamt 400 Stück limitierte Sportler kein Schnäppchen und doch schon fast ausverkauft.

GRMN: Das Kürzel steht für „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“ und ist als Reminiszenz an das Toyota-Motorsport-Team gedacht, dass an der legendären Rennstrecke angesiedelt ist. Der Namensbezug hat durchaus Berechtigung. Mit der Entscheidung, mit einem Yaris wieder werksseitig an Rallye-Weltmeisterschaften teilzunehmen, kam auch der Entschluss, einen zivilen Ableger für die Straße zu entwickeln. Gedacht und umgesetzt: In nur knapp zwei Jahren stellte das Entwicklungsteam den Yaris GRMN auf die Räder.

Zweihundert neue Teile

Dabei wurden im Vergleich zum Standard-Yaris neben einem neun Motor rund 200 Teile neu implantiert. Darunter sind ein neue Auspuffanlage, Sachs-Hochleistungsdämpfer, eine Vierkolben-Bremsanlage von Advics, ein neues Thermomanagement. Für Leistung sorgt ein 1,8-Liter-Direkteinspritzer. Anders als die Wettbewerber wird das Triebwerk nicht mit einem Turbo, sondern mit einem Kompressor auf Touren gebracht wird. Grund für diese Entscheidung, war schlicht und einfach Platzmangel im Motorraum. Für einen Turbolader war kein Raum, so dass die Ingenieure sich für diese Lösung entschieden. Das Triebwerk, das in ähnlicher Bauform auch von Toyota an Lotus geliefert wird und in der Elise seinen Dienst verrichtet, leistet 156 kW/212 PS. Mit dieser Leistung bewegt sich der kleine Sportler, der nur als Dreitürer mit Frontantrieb angeboten wird, im Wettbewerbsumfeld.

Ein Sechsgang-Getriebe bringt die Kraft in Kombination mit einer Differenzialsperre nach Torsen-Prinzip an der Vorderachse auf die Straße. Eine Automatik oder ein DSG sind nicht erhältlich. Der Standardspurt gelingt in 6,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 230 km/h erreicht (elektronisch abgeregelt). Beim Thema Gewicht kann der Kleine überzeugen. Mit nur 1.135 Kilogramm gehört er zu den Leichten und erreicht ein Leistungsgewicht von 5,35 Kilogramm pro PS. Kein schlechter Wert.

In der praktischen Erprobung durften Motor, Fahrwerk und Getriebe beweisen, dass der Yaris sein Kürzel zu Recht trägt. Über Autobahn, kurvenreiche Bergstraßen und langsame Ortsdurchfahrten ging es Hinterland von Barcelona zur Sache. Das Schätzchen zierte sich dabei nicht. Das Triebwerk spricht direkt an, mangels Turbolader gibt es natürlich auch kein Turboloch.

Für Umdrehung sorgen

Obwohl 250 Nm erstmal nicht zu üppig klingen, reicht die Durchzugskraft aus, um auch aus dem vierten Gang heraus noch zu beschleunigen. Man kann, muss aber nicht, das leichtgängige Sechsgang-Getriebe ständig in voller Bandbreite ausnutzen. In engen Kurven hilft es natürlich, zu schalten, will man den Straßenverlauf sportlich meistern. Ab etwa 4.000 Umdrehungen hört man auch den Motor. Darunter lässt sich eher ein verhaltendes Knurren vernehmen. Wer also es „krachen“ lassen möchte, muss für Umdrehungen sorgen. Und den analogen Tacho gut im Blick halten. Das ist gar nicht so einfach, die Zahlen sind eher klein. Es fehlt eine große digitale Geschwindigkeitsanzeige, so dass der Einklang mit den Verkehrsvorschriften einfacher umzusetzen wäre.

Fährt man zurückhaltend, dürfte der Normverbrauch von 7,5 Litern nicht allzu sehr überboten werden. Bei Nutzung des sportlichen Potentials sollte man aber ruhig zwei bis drei Liter mehr einplanen. Etwas höher wird der Verbrauch beim Einsatz auf der Rennstrecke sein. Wer aber einen Master of the Nürburgring artgerecht testen möchte, nimmt das mit einem breitem Grinsen im Gesicht gern in Kauf.

Nicht so gemütsaufhellend gestaltet sich dagegen das Interieur. Das unterscheidet sich wenig von herkömmlichen Yaris-Modellen. Nur das Lenkrad vom GT86, Alupedale und schöne und bequeme Rennsportsitze setzen ein paar sportive Akzente. Ansonsten herrscht triste Kleinwagenatmosphäre vor. Hier hat Toyota leider verpasst, Emotionen ins Fahrzeuginnere zu bringen.

Der Preis sorgt für Aufsehen

Auch äußerlich fährt der Yaris eher unspektakulär vor. Der Dreitürer verfügt über einen Waben-Kühlergrill, schwarzen Heckspoiler sowie eine Heckschürze mit Diffusor. Die Abgasanlage mit mittig platziertem Endrohr zitiert zwar den Rallye-Yaris, sorgt aber auch nicht für das große AHA-Erlebnis.

Der Preis dürfte dagegen für Aufsehen sorgen. Mit 30.900 Euro ist der Japaner durchaus ambitioniert eingepreist und liegt auf dem Niveau des Sportcoupés GT86. Zwar hat er u.a. mit Navi, LED-Scheinwerfern, Klimaautomatik fast alles an Bord, was die Yaris-Preisliste hergibt, allerdings gibt es weder Assistenten noch ein inviduell konfigurierbare Sport-Fahrwerk.

Die Fans stört es allerdings nicht. Gerade mal 104 Yaris GRMN standen für den deutschen Markt zur Verfügung. Und die gingen weg wie warme Semmeln. Nur noch zehn sind aktuell zu haben. Wer sich also einen sichern möchte, muss sich beeilen, oder doch zum ähnlich teuren GT86 greifen. Nachschub ist allerdings auf lange Sicht geplant. Zukünftig wird es wohl von jedem Modell (außer Hybrid) eine sportliche Version geben. Die Spanne reicht von einer Ausstattungslinie, die mit sportiv wirkenden Anbauteilen spielt, über ein leichtes Motortuning samt Sportoptik bis hin zur Top-Variante Master of the Nürburgring. Letztere werden immer limitiert sein. Den Anfang macht 2019 der neue Auris gefolgt vom C-HR. Fans vom Yaris müssen sich noch gedulden. Mit der Neuauflage des Kleinwagens (2020) wird es auch wieder eine GRMN-Version geben. Toyota liefert also Emotionen wieder ab Werk. (sp-x/em/jms)