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Galerie: Erster Test Toyota Land Cruiser

Erster Test: Toyota Land Cruiser

Ganz klassisch

01.03.2018

Dass er ein Klassiker ist, muss er nicht mehr unter Beweis stellen. Seit den 50er Jahren erobert der Toyota Land Cruiser die Welt und wird mittlerweile in mehr als 190 Ländern verkauft – von denen viele weit schlechtere Straßen haben als die deutsche Bundeshauptstadt. Für den Japaner kein Problem: Wo er nicht hinkommt, kommt kaum ein anderes Auto hin. Ob allerdings nahezu perfekte Kletterkünste auch in Zukunft noch ausreichen, um erfolgreich zu sein, ist fraglich. So langsam wäre es also an der Zeit, auch in anderen Disziplinen im Hier und Jetzt anzukommen. Das tut die aktuelle Neuauflage noch nicht wirklich.

Die Karosserie haben die Designer ein bisschen nachgeschärft und moderner gestaltet, vor allem den Innenraum müsste Toyota aber dringend in eine Zeitmaschine stecken: Das Kombiinstrument mit klassischen Rundanzeigen und Bordcomputer dazwischen, ein etwas angestaubtes Infotainmentsystem, klobige Schalter, etwas lieblos ausgesuchte Kunststoffe und – als Krönung – eine Digitaluhr mit drei Fummel-Tasten zur Zeiteinstellung, das alles wirkt wie aus der letzten Generation. Oder der Vorletzten. Oder noch älter.  Mag sein, dass Land-Cruiser-Fans das als robust abtun, oder als klassisch durchgehen lassen.

Galerie: Erster Test Toyota Land CruiserOb sich neue Kunden davon überzeugen lassen, bleibt abzuwarten. Und ob ausgerechnet die neue Belüftung der großen, schweren Ledersessel als High-Tech-Argument zieht, ist auch fraglich. Immerhin kann man sich auf eins verlassen: Man sitzt richtig gut auf dem Gestühl. Zumindest in Reihe eins, und beim Fünftürer auch noch in Reihe zwei; die Notplätze im Kofferraum sind auch bei einem Dickschiff wie dem Land Cruiser nur was für Kinder.

Auch als Dreitürer

Galerie: Erster Test Toyota Land CruiserUnd dann ist da ja noch der Dreitürer: Richtig gehört, Toyota bietet den Land Cruiser auch mit nur einer Tür pro Seite an. Andere Hersteller würden das vielleicht Coupé nennen, allerdings wird der „Landy“ durch den Wegfall zweier Pforten nicht schnittiger. Nur etwas kürzer: Die Länge schrumpft von 4,85 auf 4,40 Meter, das Kofferraumvolumen von maximal 1.934 auf 1.434 Liter. Warum man sich den kaufen soll? Weil er cool ist, und vielleicht, weil er ein bisschen günstiger ist: Den Dreitürer gibt’s ab 40.820 Euro, der Fünftürer fängt bei 43.590 Euro an. Allerdings ist der Zugang zur Rückbank, egal ob für Fahrgäste oder als Gepäckablage, recht beschwerlich, denn einen praktischen Umklappmechanismus gibt es nicht.

Galerie: Erster Test Toyota Land CruiserDabei ist der Land Cruiser eigentlich ein Praktiker par excellence, zumindest im Gelände. Und für den Einsatz abseits der Straße hat sich die Neuauflage noch besser gerüstet. Geblieben sind der Leiterrahmen, der für die nötige Stabilität abseits der Straße sorgt, das sperrbare Mittendifferenzial und natürlich die Untersetzung für den Allradantrieb. Über Weiterkommen oder Steckenbleiben entscheidet allerdings auch bei Toyota längst nicht mehr nur das Können des Fahrers: Nicht weniger als fünf Fahrprogramme gibt es – gegen Aufpreis – inzwischen, die den Land Cruiser auf den jeweiligen Untergrund vorbereiten sollen und mit der Crawl-Control hält ein Gelände-Tempomat Einzug, der den Japaner gemächlich über Stock und Stein klettern lässt, ohne dass der Fahrer gasgeben oder bremsen muss.  

Mit Unterboden-Kamera

Galerie: Erster Test Toyota Land CruiserDazu kommen zahlreiche Kameras, die eine 360-Grad-Ansicht auf den Bildschirm zaubern und das manövrieren – wie auch das Einparken in der City – deutlich vereinfachen. Sogar eine Unterboden-Kamera gibt es, bzw. zumindest eine Ansicht, die zeigt, wie es unter dem Land Cruiser aussieht. Das Bild selbst stammt von der Frontkamera und wird etwas zeitverzögert wiedergegeben, so dass wirklich die Steine und Schlaglöcher auf dem Display erscheinen, über die man gerade hinwegrollt.

Galerie: Erster Test Toyota Land CruiserHightech, die nett ist, aber die man sich vielleicht lieber an anderer Stelle gewünscht hätte: Weniger bei den Assistenten – zumindest für das Top-Modell sind immerhin Spurhalteassistent, Tot-Winkel-Warner und Fußgängererkennung erhältlich – sondern eher beim Antrieb: Für Deutschland steht nämlich ausschließlich ein 2,8-Liter-Vierzylinder-Diesel zur Wahl, der zwar dank AdBlue ausreichend sauber ist, aber nicht wirklich genug Kraft hat für den über zwei Tonnen schweren Land Cruiser. Klar, im Gelände sind 177 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment ausreichend. Auf der Straße aber wünscht man sich, wenn man das Gaspedal bis zum Teppich durchgedrückt hat und trotzdem nicht wirklich flott vom Fleck kommt, einfach ein bisschen mehr.

Nicht stark, aber durstig

Galerie: Erster Test Toyota Land CruiserZumal der Verzicht auf übermäßig viel Fahrspaß ja nicht mit geringem Verbrauch eingeht: Elf Liter zeigte der Bordcomputer im Durchschnitt bei unserer ersten Runde an; 7,4 Liter verspricht Toyota. Ganz gleich übrigens, ob das bei den niedrigeren Ausstattungsversionen serienmäßige Sechsgang-Schaltgetriebe verbaut ist, oder die Automatik mit ebenfalls sechs Stufen. Auch Vmax (175 km/h) und Anhängelast (3.000 Kilogramm) bleiben von der Getriebewahl unberührt, und dass sich der Standardsprint von 12,1 auf 12,6 Sekunden verlängert, fällt nicht wirklich auf.

Galerie: Erster Test Toyota Land CruiserImmerhin: Fahrwerk und Lenkung passen hervorragend zur eher gemütlichen Antriebsvariante. Bequem schaukelt der Land Cruiser durchs Land und schluckt Bodenunebenheiten unaufgeregt weg; in der Top-Version gibt es an der Hinterachse sogar eine Luftfederung. Allerdings reden wir beim nur als Fünftürer erhältlichen Spitzenmodell nicht mehr von gut 40.000 Euro, sondern von stolzen 67.450 Euro. Für diesen Preis hält auch die Konkurrenz so manch’ nette Alternative bereit, die vielleicht nicht ganz so Kraxelfreudig ist, aber deutlich moderner: Land Rover Discovery, BMW X5 oder Jeep Grand Cherokee.

 
Fazit
hier
Rund eintausend Kunden will Toyota in diesem Jahr für den neuen Land Cruiser begeistern, und das werden die Japaner auch schaffen. Schließlich hat der Gelände-Klassiker eine große Fangemeinde, die ausreichend solvent ist und ihrem Liebling die Treue hält, auch wenn er technisch nicht ganz auf dem neuesten Stand ist. Ob sich damit allerdings viele Neukunden gewinnen lassen, ist fraglich. Dafür sind die Alternativen – zumal für alle die, die nicht wirklich ins Gelände wollen – mittlerweile zu gut und zu vielfältig.   
 
 

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