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Erster Test: Skoda Octavia Combi G-Tec

Erster Test: Skoda Octavia Combi G-Tec

Reichweiten-König mit Sparvorteil

05.06.2014

Eigentlich hätten Erdgas-Autos schon längst einen gewaltigen Boom erleben sollen, doch verharrt sowohl die Zahl der Neuzulassungen als auch der Zapfsäulen in Deutschland seit Jahren auf bescheidenem Niveau. Der Skoda Octavia G-Tec zeigt allerdings auf ein Neues, dass der Erdgasantrieb einen kleinen Komfortgewinn bringt, finanzielles Sparpotenzial bietet und vergleichsweise gut beim Umwelt-Kapitel abschneidet.

Zunächst war Konzernmutter VW dran, ihren Bestseller Golf alias TGI Bluemotion Anfang 2014 mit einem bivalenten Turbo-Ottomotor in den Markt zu bringen. Im Sommer 2014 folgt die erfolgreiche Tochter Skoda mit dem Octavia, der einigen ja als der bessere Golf gilt.

Ob nun der Tscheche im Detail mehr als der Golf überzeugen kann, sei dahingestellt, er kann in jedem Fall, wie auch schon der Golf, einen überzeugenden Erdgasantrieb bieten. Wirkten früher bivalente Erdgas-Benzin-Antriebe im Gasbetrieb oft durchzugsschwach und auch etwas unrund, fühlt sich der wachsame 1,4-Liter-TSI-Motor trotz seiner auf 110 gedrosselten PS an, als stünde er gut im Futter. Beim Wechseln zwischen Gas- und Benzinbetrieb merkt man keinen Unterschied.

So schnell wie der 1.6 TDI

Erster Test Skoda Octavia Combi G-TecUnd der G-Tec kann mit anderen Spritsparvarianten des Octavia gut mithalten, wie zum Beispiel dem 1.6 TDI Greenline. Im Vergleich zu diesem fährt sich der G-Tec ausgesprochen kultiviert und stört lediglich eine dezent raue Note den Lauf des Erdgas-Ottos, der in immerhin 10,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprintet und 195 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht. Der 1.6 TDI braucht 10,8 Sekunden und schafft ebenfalls 195 km/h. Es gibt den 1.4 TSI im Octavia allerdings auch mit deutlich spritzigeren 140 PS, doch aus thermischen Gründen verzichtet man bei der Gasversion auf einen erheblichen Teil des technisch problemlos abrufbaren Leistungspotenzials.

Vor allem für Langstreckler entscheidend ist neben dem Autobahn-tauglichen Durchzug noch die Reichweite, die dank der zwei Spritarten an Bord des G-Tec zumindest theoretisch über 1.300 Kilometer betragen soll. Ist nämlich der für gut 400 Kilometer reichende Erdgas-Vorrat aufgebraucht, hat man im Idealfall noch für 900 weitere Kilometer Benzin an Bord.

Alle 25.000 Kilometer spart man 1.000 Euro

Praktisch wird man allerdings wohl auch auf langen Touren häufiger Tankpausen einlegen, vor allem, um den doch etwas knapperen Gasvorrat wieder aufzufüllen, denn hier liegt ja das eigentliche Sparpotenzial. 3,5 Kilogramm des auch CNG genannten Erdgases soll nach Aussage von Skoda der mit Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung ausgestattete G-Tec Octavia auf dem Prüfstand benötigen, was wir auch annähernd bei einer praktischen Ausfahrt in der Gegend um Amsterdam erreicht haben. Nach einer knapp über 60 Kilometer langen Fahrt zeigte der Bordcomputer 3,9 Kilogramm pro 100 Kilometer an, zwischenzeitlich lag dieser Wert bei ausgeschalteter Klimaanlage sogar bei 3,7.

Erster Test Skoda Octavia Combi G-TecWer also, wie in unserem Fall, aufs Gaspedal betont zaghaft Druck ausübt, hat die Möglichkeit, mit rund vier Euro Spritkosten auf 100 Kilometer hinzukommen. Ob man nun als Referenz den 105 PS starken 1.2 TSI oder den 140 PS starken 1.4 TSI hernimmt, ist da einerlei, denn in beiden Fällen hätte man im reinen Benzinbetrieb jeweils rund doppelt so hohe Energiekosten. Insofern könnte man bei circa 25.000 Kilometer Laufleistung 1.000 Euro sparen. Nach 100.000 Kilometer wäre also eine Ersparnis von 4.000 Euro möglich.

Bezieht man sich auf den von uns gefahrenen Octavia Combi, ist das Amortisationsszenario ein wenig Auslegungssache. Für den G-Tec als Kombi werden 22.490 Euro abgerufen, was 1.900 Euro mehr als für den 1.4 TSI sind. Hier wäre bereits nach 50.000 konsequent mit Erdgas gefahrenen Kilometern der Punkt erreicht, die Mehrinvestition als kostensparend sehen zu können. Leistungsmäßig steht der G-Tec jedoch dem 1.2 TSI mit 105 PS näher, der allerdings 3.900 Euro günstiger ist und es dieser Referenz schon 100.000 reine Erdgas-Kilometer abnötigt, um langfristig Geld zu sparen. Das kann sich zwar rechnen, doch braucht es dafür einen schon ziemlich langen Atem.

Für die Umwelt ein Gewinn

Erster Test Skoda Octavia Combi G-TecDoch neben den rein finanziellen Anreizen bietet der Erdgasbetrieb auch umwelttechnische Vorteile. Denn Benzin produziert im Vergleich zu Erdgas für die gleiche Strecke einen höheren CO2-Ausstoß und auch andere Emissionen fallen bei Erdgas geringer aus. Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid oder Sickoxide sollen laut Skoda um bis zu 80 Prozent niedriger liegen. Und es gibt auch keine Betankungsemissionen, denn das in der Handhabung einfache Befüllen mit Gas geschieht in einem geschlossenen System, bei dem man sich zum Beispiel nicht über Dieselrückstände an den Fingern ärgern muss. Ein Nachteil haben die Gastanks allerdings: Neben fast 100 Kilogramm Mehrgewicht reduzieren die im Heck untergebrachten Druckbehälter das Kofferraumvolumen vom 610 auf 480 Liter.

Im Gegenzug bietet CNG noch großes Potenzial als nachhaltiger und nicht fossiler Kraftstoff. Skoda stellte im Rahmen der G-Tec-Fahrveranstaltung einen landwirtschaftlichen Betrieb in Holland vor, der regeneratives Methan erzeugt. Hier wird aus dem Milchbetrieb der Kuhdung zusammen mit Biomasse (Maissilage/Kartoffeln) unter anderem Methan erzeugt. In einem angrenzenden Algen-Zuchtbecken wird das bei der Methanerzeugung zusätzlich entstehende CO2 geleitet, denn Algen brauchen für ihr Wachstum dieses eigentlich unerwünschte Klimagas, um ihrerseits Biomasse zu erzeugen, welche unter anderem als Kuhfutter Verwendung finden kann. Ein schon fast perfekter Kreislauf, der es in Holland bereits im großen Stil ermöglicht, Autos mit weitgehend regenerativ erzeugtem Kraftstoff zu versorgen.

Erster Test Skoda Octavia Combi G-TecEine andere Alternative für regenerativ produzierten Treibstoff ist das sogenannte E-Gas - ein synthetisches Methan, welches unter Einwirkung von Energie aus Wasserstoff und CO2 gewonnen wird. Die Energie wiederum kann aus überschüssigem Strom aus Windkraft- oder Solaranlagen kommen und so als Kraftstoff im Octavia G-Tec genutzt werden, der dann nicht auf fossile Reserven zurückgreift. E-Gas wird zwar bereits industriell produziert, eine flächendeckende Versorgung ist allerdings noch Zukunftsmusik. Derzeit stammt in Deutschland das an Tankstellen verfügbare CNG in der Regel aus fossilen Quellen, lediglich jede dritte CNG-Zapfsäule bietet immerhin Biogas in verschieden hohen Beimischungsgraden.

 
Fazit
hierErster Test Skoda Octavia Combi G-Tec
Erdgas ist weiterhin eine in mehrfacher Hinsicht attraktive Alternative zu Benzin und Diesel. Für Vielfahrer wird sich die Mehrinvestition mittel- bis langfristig bezahlt machen, die Umweltbilanz ist besser und schließlich hat man, wie im Fall des Skoda Ocatvia G-Tec, ein enormes Reichweiten-Potenzial. Der mit Turboaufladung gerüstete 1,4-Liter-Ottomotor des Tschechen ist zudem ein angenehm spritziger Geselle, auch im Gasbetrieb.

Auf der anderen Seite bleiben die Nachteile, die so ein bivalentes Erdgasauto mit sich bringt: Das Mehrgewicht, eine Mehrinvestition bei der Anschaffung, ein verkleinerter Kofferraum, ein reduziertes Leistungspotenzial beim Motor und das immer noch lückenhafte Tankstellennetz werden wohl verhindern, dass Erdgas-Autos demnächst einen Boom erleben werden. Verdient hätte sie es aber durchaus.
 
 

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