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Erster Test: Opel Rak_e

Erster Test: Opel Rak_e

Nochmal Zukunft

07.12.2011

Opel stellte mit dem Ampera bereits vor Jahren mit dem Range-Extender-Prinzip ein alltagstaugliches Konzept für elektrische Automobile vor. Jetzt kommt er auf den Markt und ist derzeit einzigartig. Doch das wird in Zukunft nicht reichen. Also hat man in Rüsselsheim konsequent weiter gedacht und den Rak_e auf der IAA vorgestellt.
Wir konnten das Konzept-Car bereits fahren.

Der Automarkt ist im Umbruch: In Deutschland wird der Neuwagenmarkt mittelfristig rückläufig sein, Benzin und Diesel sind auch global keine langfristigen Lösungen. Das automobile Wachstum wird in China, Brasilien und Indien stattfinden, die meisten Menschen wohnen weltweit bereits in den Städten. Das konventionelle Auto ist ein Auslaufmodell.

Mobilität: maximal

Erster Test Opel Rak_e"Reduce to the max" hieß einst der Werbespruch für den Smart, das radikale Micro-Car war seiner Zeit hoffnungslos voraus. Heute ist die Notwendigkeit für schlaue Fahrzeugkonzepte deutlich größer: Rohölverknappung, Klimawandel, CO2-Ausstoß, Verkehrsbelastung in den Innenstädten, sich wandelndes Freizeitverhalten, weiter zunehmende Mobilität und nicht zuletzt die anhaltende Finanzkrise stellen radikal neue Ansprüche an die Mobilität von morgen und an die Autos, die sich die Menschen in Zukunft leisten wollen.

Energieverbrauch: minimal

Laut Opel soll der Rak_e kein maximales, sondern ein emotionales Fortbewegungsmittel sein. Und folgerichtig vereint er den Minimalismus eines Smart mit der Emotionalität eines Motorrades. Dabei soll er maximale Mobilität bei minimalem Energieeinsatz sicherstellen.

Ruft man sich in Erinnerung, dass reine Elektro-Autos gerade beim Gewicht ein Problem haben, ist ein Zweisitzer eine logische Lösung: Weil Fahrer und Passagier im Rak_e hintereinander sitzen, kann die Frontfläche sehr schmal und damit klein ausfallen. Sie liegt nur bei etwa 50% der eines Kleinwagens und bietet so einen deutlichen aerodynamischen Vorteil.

Konventionell innovativ

Erster Test Opel Rak_eAuch Leichtbau ist eine Schlüsselkomponente für ein batteriebetriebenes Mobil, doch will und kann man sich bei einem Hersteller wie Opel und der angepeilten Kundengruppe keine sündteuren HighTech-Materialien leisten. Daher greifen die Opelaner konsequent auf eine konventionelle Bauweise mit Stahl-Gitterrohrrahmen zurück. Die Batterien teilt sich der Rak_e mit dem Ampera, auch hier also "konventionelle" Serientechnik.

Zur Idee des Rak_e gehört auch eine leistungsreduzierte Variante für 16-jährige Fahranfänger. Für sie soll eine auf 45 km/h Topspeed reduzierte Version eine Alternative zum Motorscooter oder Mopped sein. Hierfür müssen die jugendlichen Rak-e-Fahrer lediglich die Führerscheinklasse S für Quads und Trikes bis 45 km/h erwerben. Aus Elternsicht eine sicherlich interessante Alternative, denn der kleine Opel-Stromer bietet eine wesentlich höhere Crash-Sicherheit als die sonst für 16jährige üblichen Zweiräder.

Derzeit gehen die Überlegungen dahin, ein kleineres Batteriepaket in diese Versionen einzubauen, eine spätere Aufrüstung wäre denkbar. Eine Software- oder Schlüsselgesteuerte Variante ist dagegen nicht in Planung.

Spezifikationen

Erster Test Opel Rak_eDie technischen Eckdaten sind vielversrechend: Das Fahrzeuggewicht liegt bei schlanken 380 Kilogramm, inklusive Batterien. Zum Vergleich: Der Hybrid-Scooter MP3 Hybrid LT 300 i.e von Piaggio liegt bei knapp 240 Kilogramm, ein Smart Fortwo electric drive bei über einer Tonne.

Der Rak_e erreicht eine Topspeed von 120 km/h, was ihn auch Autobahnen meistern lässt und für die Alltagstauglichkeit eine wichtige Voraussetzung ist. In 13 Sekunden beschleunigt er auf 100 km/h. Die Reichweite soll im Praxismix bei über 100 Kilometern liegen und könnte damit im Stadtbetrieb für eine Woche reichen.

Sparsamkeit kein Wunder

Erster Test Opel Rak_eTatsächlich ist der Rak_e so sparsam, dass Opel eine eindrucksvolle Beispielrechnung aufmacht: Mit fünf Quadratmetern Solarzellen auf der Garage (das ist das halbe Garagendach) könnte man, mit der in Deutschland durchschnittlich anfallenden Sonnenmenge, im Jahr 10.000 Kilometer Reichweite tanken. CO2-frei.

Der bis zu 36,5 Kilowatt leistende Elektromotor arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 90%, weshalb der Energieverbrauch gegenüber einem konventionellen Kleinwagen bei nur rund zehn Prozent liegen soll. Konkret: 4,9 KW/h auf 100 Kilometer, das entspricht 0,58 Liter pro 100km.

Realer Versuchsträger

Die Fahrleistungen und Energieverbräuche der Vollversion wurden nicht mit dem uns zur Verfügung stehenden Showcar ermittelt und sind doch keine Papierwerte. Ein Versuchsträger, als ein sogenanntes "Mule" getarnt, sammelt derzeit Kilometer, um das technische Konzept auf den Serieneinsatz zu überprüfen. Ich dagegen muss, um im schönen Einzelstück Platz nehmen zu dürfen, erst einmal die Schuhe ausziehen.

Praxis

Erster Test Opel Rak_eDerart erleichtert finde ich sofort eine ordentliche Sitzposition vor, der nach vorne neigbare Fahrersitz ist fest installiert, die Pedale können dagegen in Längsrichtung justiert werden - das spart Gewicht und Kosten. Beim Einstieg wird auch deutlich, dass der Rak_e tatsächlich für eine sportlichere Klientel gedacht ist, muss man doch erst die Bordwand überwinden.

Das kleine Lenkrad liegt wie in einem GoCart zur Hand, auch die Pedalanordnung erinnert an die kleinen Kurvenfetzer: rechter Fuß auf "Strom", linker auf die Bremse. Vorwärts- und Rückwärtsgang werden im Concept-Car mit einem versteckten Schalter gewählt, der Bildschirm zeigt lediglich eine Animation.

Schön statt schnell

Die Maximalgeschwindigkeit liegt bei geschätzten 10 Stundenkilometern, während der Motor außerordentlich laut seinen Dienst verrichtet. Doch bei allen Concept-Car-Einschränkungen: Dieser Kabinenroller kann ein Knaller werden. Der direkte Fahrbahnkontakt durch die niedrige Sitzposition und die heimelige Atmosphäre durch die Kuppel über dem Kopf vermitteln Sportlichkeit.

Erster Test Opel Rak_eHinten muss man die Beine jeweils seitlich neben den Fahrersitz platzieren - was für die Schwiegermutter womöglich weniger schicklich ist als für die Freundin - die Kopffreiheit ist nicht so großzügig wie vorne. Für den Einkauf sind auch außen montierbare Packtaschen denkbar. Der Rak_e empfiehlt sich als Kurzstrecken-City-Stromer mit Spaßfaktor.

Fotos

Das Außendesign mit der Heckschwinge und der hornissenhaften Front benötigt kaum weitere Worte. Dafür haben wir Fotos gemacht, die einen Eindruck geben, wie dynamisch sich der Rak_e im Straßenverkehr präsentieren kann.

 
Fazit
hierErster Test Opel Rak_e
Unter dem Strich kann man Opel zum Mut für diese Studie nur beglückwünschen. Weitere zwei bis drei Jahre wird es wohl dauern, bis der Rak_e in Serie gehen kann. Der Preis könnte bei rund 12.000 Euro realisierbar sein, eine, auch batterietechnisch, abgerüstete Variante für Teenager wäre für unter 10.000 Euro denkbar.
 

Dem Mutterkonzern GM wäre zu wünschen, beim Rak_e genauso viel Weitsicht wie beim Ampera zu zeigen. So ein Elektro-Vehikel könnte nämlich nicht nur für den avisierten europäischen Markt erfolgreich sein. Auch die Städte im Rest der Welt brauchen kleine, günstige und funktionierende Elektromobile.

 

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