Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Erster Test: Mercedes-Benz S-Klasse

Erster Test: Mercedes-Benz S-Klasse

Oder nichts?

05.07.2013

„Das beste Auto der Welt“ sagen Mercedes-Chefs wenn man sie Nachts um drei weckt. Sie sind spürbar stolz auf ihre neue Luxus-Limousine, die am 22. Juli in den Handel kommt und nicht nur wieder Maßstäbe setzen soll, sondern auch den Maybach ersetzen wird. Stolz auf das Design, die verbaute Technik, den Verbrauch.
Wir haben den neuen Stolz vom Daimler mal getestet.

Über 20.000 Bestellungen gäbe es schon, freut sich Thomas Weber, Technikchef von Daimler-Benz. Das sei eine Zahl auf die man stolz sein könne, schließlich gehören wir Journalisten zu den ersten Nicht-Daimler-Mitarbeitern überhaupt, die den neuen Super-Benz überhaupt fahren können. Zwanzigtausend Blindbestellungen also. Aber Dr. Weber ist auch so ehrlich zu sagen, man habe diese Menge an Vorbestellungen erwartet. Den Stolz hört man dann nicht, der blitzt nur aus seinen Augen, wenn er das sagt.

Selbstbewusst

Erster Test Mercedes-Benz S-KlasseDie S-Klasse verbreitet Selbstbewusstsein bei seinen Machern, die – nach dem Crashtest-Desaster des Citan, der verkürzten Vertragsverlängerung für Vorstandschef Zetsche und dem suboptimalen Chinageschäft – froh sind, mit der S-Klasse wieder ein überzeugendes Statement abgeben zu können. Und damit ihr Markenversprechen einzulösen: Das Beste oder nichts.

Die internen Benchmarks für die Markenikone müssen also mindestens ambitioniert, wenn nicht gar sportlich gewesen sein. Und der erste Eindruck, von außen aus der Entfernung, sagt einem leise: Ja, wow, das ist mal ein Statement.

Geschmack

Erster Test Mercedes-Benz S-KlasseSie steht gut da, die neue S-Klasse, ja sie zeigt, dass ihr Besitzer sich ein großes Auto leisten kann hat und warum auch nicht. Das Design unterstreicht einerseits den Status seines Besitzers und ist gleichzeitig recht leise geraten, stimmig, in den Proportionen geradezu geglückt. Der Nörgler wird in den Rückleuchten ein wenig Bentley sehen aber zugeben müssen, dass die Seitenansicht mit viel weniger Linien auskommt als beispielsweise der CLS. Doch Design ist immer eine Geschmacksfrage und kann man sich darüber je nach Gusto entweder bestens oder gar nicht streiten.

Den Deutschen sollte jedoch klar sein, dass spätestens mit dieser Generation der S-Klasse der Geschmack gänzlich anderer Märkte bedient werden will. Vor allem die Kunden in USA und China werden auf ihre Kosten kommen, denn der Luxus-Schwabe wird nur noch optional und in Europa mit kurzem Radstand angeboten, Weber schätzt ihren Anteil auf nur noch etwa 20 Prozent. Im Rest der Welt wird die S-Klasse stolze 5,25 Meter lang sein.

Weltweit

Erster Test Mercedes-Benz S-KlasseAuch die Motorisierungen, die zum Verkaufsstart angeboten werden, spiegeln die weltweite Positionierung dieses Luxusguts wieder: Der klassische V8-Benziner im S 500 am einen Ende des Spektrums und der kaum weniger bärige S 350 Diesel am anderen. Preislich dazwischen der S 300 Diesel-Hybrid und der S 400 Benzin-Hybrid. Die CO2-Emissionen liegen (nach NEFZ) zwischen 115 Gramm und 199 Gramm, womit sowohl die Benziner-Märkte USA und China als auch der Diesel-Markt Europa mit mindestens EU-6-konformen Motoren abgedeckt werden kann.

Sensorik

Die neue S-Klasse hat viele Spirenzchen und Gadgets mit auf den Weg bekommen, sie hat zwei bis drei Radarsensoren in jede Richtung, 3D-Kameras, ein Infrarot-Nachtsichtgerät und Ultraschallsensoren zum Einparken, Abstandhalten, Selberanfahren, Selberbremsen, Demvorausfahrendemfolgen, Spurfolgeimstau, Ganzalleineeinparken, Notbremsen und wasnichtalles. Dafür haben sie keine einzige Glühbirne eingebaut, alles LED heutzutage: Abblendlicht, Fernlicht, Tagfahrlicht, Bremslicht, Blinklicht, Innenraumbeleuchtung, Bildschirme. Sie haben alle LEDs genau nachgezählt und ihre Anzahl aufgeschrieben, ich habe die Zahlen abgeschrieben und ich werde sie Ihnen ersparen. Es sind sehr viele. Sie funktionieren länger als Glühbirnen. Sie verbrauchen viel weniger Strom.
Kurz: Ganz viele LEDs, zwei Sorgen weniger.
Ganz viele Sensoren, noch mehr Sorgen weniger.

Komfort

Erster Test Mercedes-Benz S-KlasseEine echte Revolution jedoch ist etwas, das man nicht sieht, nicht von außen jedenfalls, sondern nur spürt, wenn man fährt: Das Auto erkennt Bodenwellen und sogenannte Speedbumps, sogar Schlaglöcher und bevor das Auto dort rein rauscht und die Passagiere durchschüttelt, stellt sich das Fahrwerk mit seinen elektronisch geregelten Dämpfern und Luftfedern auf diese Unebenheiten ein und bügelt sie weg. Was möglicherweise der Beginn eines Wettrüstens mit den Kommunen sein wird, die sagen, für die neue S-Klasse müssen wir jetzt gerade bei den Speedbumps Radarfallen aufstellen, die rollen da etwas zu flott drüber hinweg.

Details

Der S-Klasse-Fahrer jedoch wird das, obwohl er könnte, gar nicht wollen. Denn er braucht, wegen des ganzen Ambientes um ihn herum, gar kein Tempo, um sich wohl zu fühlen, es ist schließlich alles so komfortabel-elegant, auch im Detail. Schon das Lenkrad ist endlich mal eines, bei dem man sich Gedanken gemacht hat. Seit dem Rolls- Royce Phantom ist das Lenkrad der neuen S-Klasse wohl das erste, das wirklich mal ein Hingucker ist und das heißt schon was. Es ist natürlich nicht so grazil und groß wie im Rolls, sondern eher gediegen, wie eine hübsche Kommode im Flur: Die Funktion ist relativ simpel aber die Gestaltung ist erstklassig.

Gediegenheit

Erster Test Mercedes-Benz S-KlasseDas Armaturenbrett wird von zwei großen Bildschirmen dominiert, der vor dem Fahrer mit den üblichen Skalen für Tempo und Drehzahl und bei Bedarf noch allen anderen Informationen, der in der Mitte für Hi-Fi, Navi, Klima und die womöglich hundertfachen Einstellungsoptionen für Heckklappenöffnung, Sitzmassagefunktion und Innenraumbeleuchtung, um nur wenige zu nennen. Das Leder ist wunderbar weich, bei Bedarf auch auf dem Armaturenbrett in Rautensteppung ausgeführt und zweifarbig, wenn der Kunde Klasse zeigt. Die Kopfstützen im Fond sind kuschelige Kissen. Die Mittelkonsole trägt einen Bogen und hat die wichtigsten Menüknöpfe in diesen Schwung integriert. Die Armlehnen sind beheizbar. Und alles passt auf Anhieb, egal ob man selbst pilotiert oder chauffiert wird.

Punktabzug

Es gibt allerdings etwas, dass die neue S-Klasse nicht so gut kann wie ihr Vorgänger, das fiel auf und es betrifft den Kofferraum. Ein Kollege hat dankenswerterweise insistiert, eine konkrete Zahl zu bekommen: Das beste Auto der Welt hat einen um 30 Liter kleineren Kofferraum als bisher. Das entspricht etwa einer Kiste Bier und die Zielgruppe wird es womöglich unterlassen, das in Weinkisten umzurechnen.

 
Fazit
hierErster Test Mercedes-Benz S-Klasse
„Das beste Auto der Welt“? Das kann die S-Klasse sogar ohne die technischen Gimmicks sein. Die Innenraumgestaltung und –Anmutung, die Qualität von Leder und Design ergänzt sich auf einem Level, der in Ingolstadt für Unruhe sorgen wird. Das Fahrwerk funktioniert auch ohne Speedbump-Korrektur ganz vorzüglich. Die Motoren überzeugen in puncto Leistungsfähigkeit, Ansprechverhalten und Laufruhe wie die Verbrauchswerte des NEFZ-Zyklus auf dem Papier. Allein der Luftwiderstand (cw=0,24) ist sensationell. Und ein PlugIn-Hybrid ist auch schon in Arbeit, wird S 500 heißen und auf der IAA vorgestellt.

Die neue S-Klasse kostet ab 79.000 (S 350 Diesel) und bis 120.000 Euro (S 500), wobei die Zusatzausstattung wohl gerne nochmals einige zehntausend Euro an Zusatzinvestionen erfordert.

Am Ende ist die S-Klasse jedoch ein klassenloses Fahrzeug: Alle Varianten wiegen etwa 2 Tonnen und fahren bis zu 250 km/h schnell.
 
 

AutoScout24-TV
Erste Infos: Airbus-Studie Pop.up

AutoWelten

No data available

ServiceWelten

No data available

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrung und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.

Suche nach Angeboten

Marke
Model