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Erster Test: Mercedes-Benz E 63 AMG S 4Matic

Erster Test: Mercedes-Benz E 63 AMG S 4Matic

Mit Vier-mal-Vier zum Alphatier

25.02.2013

Alte und neue Vorzüge bietet die frisch geliftete E-Klasse reichlich und genießen ihre Insassen bereits in den zivilen Versionen einen Ritt an der Spitze des Premium-Segments. Doch mit AMG-Weihen lässt sich dieser automobile Hochgenuss noch deutlich steigern, denn hier trifft der betörende Luxus auf rennwagenartige Performance, die allerdings ihre Tücken haben kann.

Erster Test Mercedes-Benz E 63 AMG S 4MaticGalerie

Seit vielen Jahren schon begeistern die AMG-Ableger der Benz-Ikone die PS-Jünger und mit jeder Neuauflage ist es fast schon eine undankbare Aufgabe, das zumeist gewachsene längsdynamische Potential und die katapultartige Beschleunigung aufs Neue zu umschreiben. Doch die Affalterbacher haben noch einmal tief in die Trickkiste gegriffen und die starke E-Klasse damit einen mächtigen Satz nach vorne gemacht, der selbst leistungsmäßig verwöhnte Motorjournalisten noch verblüffen kann.

Da wäre zum einen das deutliche Leistungsplus der normalen Version, die nun, wie zuvor der E 63 AMG mit Performance-Paket, aberwitzige 557 PS und 720 Newtonmeter Drehmoment stemmen kann. Mit diesem Gewaltpotenzial setzt der 5,5-Liter-V8-Biturbo die breiten Heckwalzen mächtig unter Druck und ermöglicht aus dem Stand einen fabelhaften 4,2-Sekunden-Sprint, mit dem der Über-Stern dem BMW M5 auf Augenhöhe begegnet. Ein Fortschritt ist das aber noch nicht.

Vorsprung durch Allradtechnik

Erster Test Mercedes-Benz E 63 AMG S 4MaticDoch Mercedes hatte ein Einsehen mit den reichlich geforderten Hinterrädern und spendierte dem E 63 AMG zum 2013er Facelift einen optionalen Allradantrieb, der dafür sorgt, dass die bereits phänomenal kurze Sprintzeit um eine weitere, stolze halbe Sekunde verkürzt wird. Fast schon Welten trennen damit den E 63 AMG vom ärgsten Mitstreiter M5.

Noch nicht genug? Den Expresszuschlag, den sich Kunden bisher mit dem Performance-Paket gönnen konnten, gibt es jetzt in Form der eigenständigen Modell-Variante S. Die Leistung steigt hier um weitere 28 PS und 80 Newtonmeter. Zusammen mit dem dann serienmäßigen Allradantrieb und einem Hinterachssperrdifferenzial geht es beim Sprint um eine weitere Zehntelsekunde nach unten: Mit 3,6 Sekunden stößt die ach so biedere E-Klasse in Regionen vor, in der sich noch vor kurzem nur spezielle Leichtbau-Flachmänner tummeln durften. Und wer auch nach oben raus die Nase vorn haben will, kann mit dem Kauf des Driver Packages bei der Endgeschwindigkeit den obligatorischen 250-km/h-E-Riegel auf 300 km/h verschieben.

Federleichtes Schwergewicht

Erster Test Mercedes-Benz E 63 AMG S 4MaticDiese reinen Zahlen sind allerdings nicht so verblüffend wie das reale Spiel mit der überbordenden Leistung im Straßenverkehr. Immerhin bringt die extrastarke Allradvariante 1.940 Kilogramm auf die Waage, die allerdings längsdynamisch kaum ins Gewicht zu fallen scheinen. Immer und zu jederzeit lässt sich ein gewaltiges Vortriebsmoment abrufen, mit dem man andere Verkehrsteilnehmer zu Statisten degradiert. Wer in dichten Verkehrssituationen proaktiv mit Vorstößen in kurzfristig frei werdende Lücken ein besonders schnelles Vorankommen erreichen will, kann sich spielerisch durchsetzen. Immer. Gegen jeden.

Dabei ist der E 63 AMG keine Knallbüchse, die vor lauter Kraft kaum mehr gehen kann, sondern auch ein geschmeidiger Luxuscruiser, der ein niveauvolles Genussfahren garantiert. Das Fahrwerk hat eine gewisse Grundstraffheit und auch die gummibedampften 19-Zöller teilen mehr über die Untergrundbeschaffenheit mit als das Fahrwerk einer normalen E-Klasse. Doch das Luftfedersystem mit dem elektronischen Dämpfungssystem AMG Ride Control bietet einen Komfort-Modus, der seinem Namen durchaus verdient.

Spezialist für den aufrechten Gang

Selbst im Sport+-Modus, bei dem alle fahrrelevanten Parameter deutlich spürbar in Richtung Dynamik geschärft werden, mutiert der Power-Stern nicht zum brettharten Schlaglochsuchgerät, als vielmehr zu einem erfreulich wankarmen und den Untergrund feinfühlig abtastenden Schienenfahrzeug. Der überstrapazierte Vergleich mit der unverrückbar einer vorgegebenen Spur nachlaufenden Fahrzeuggattung drängt sich in diesem Fall mehr als bei anderen Fahrzeugen auf. Die Rückmeldung der Lenkung ist phänomenal und wird der Wille des Fahrers in einer Art umgesetzt, als würde man mit mehr als nur der Verbindung von Hand zu Lenkrad dem Fahrzeug seinen Richtungswunsch vorgeben. Kann der E 63 AMG etwa die Gedanken des Piloten lesen?

Nicht nur vom gewaltigen Schub nach vorne, auch vom irrsinnigen Querbeschleunigungspotenzial werden die Insassen seitlich und mit dem Rücken immer wieder massiv in die Sitzlehnen gedrückt. Zum Glück bietet das Gestühl auf den Vordersitzen eine aktive Seitenführung, die eine weitgehend aufrechte Haltung garantieren kann.

Alles oder nichts

Mit jeder Kurve wächst das Vertrauen in den Grobmotoriker. Trotz unglaublicher Kurventempi scheint sich der AMGler kaum aus der Ruhe bringen zu lassen und bleiben die sonst üblichen Grenzbereich-Geräusche aus. Der quietscht einfach nicht. Nie. Mit Vollgas aus Kurven kommt es nach einer kurzen Gedenksekunde und voll aufgebauter Kraft nicht einmal zu einem leicht tänzelndem Heck. Das Leistungspotenzial wird von dem variabel die Drehmomente zwischen Vorder- und Hinterachse jonglierenden 4Matic einfach nur in Vortrieb umgesetzt. Auch die sonst üblichen Untersteuerungstendenzen bleiben aus.

Allerdings geht dieser reibungsarme Ritt am Limit nur so lange gut, wie der Wagen Haftung hat. Die kann er allerdings auch verlieren – wie ich als Beifahrer in einer scharfen Linkskurve auf trockenem Asphalt erfahren musste. Statt den angepeilten Bogen wie bisher souverän zu meistern, fuhr der Benz in dieser Situation einfach geradeaus und damit auf den angrenzenden Acker. Das ESP konnte nicht mehr viel ausrichten, denn wenn bei Allradlern die Haftung abreißt, dann reißt sie richtig ab. Ein Wimmern der Reifen, ein gut kontrollierbares Schieben über die Vorderräder? Fehlanzeige. Einfach nur ab und weg. Letztlich war dies aber nicht die Schuld des Benz, sondern die des risikofreudigen Fahrers.

Optional als Wolf im Schafspelz

Erster Test Mercedes-Benz E 63 AMG S 4MaticDoch nicht nur fahrerisch zeigt sich die E-Klasse als 63 AMG S von ihrer brutalsten Seite, auch optisch gehört diese Version zu den martialischer auftreteten Body-Builder-Typen. Mit Spoilern, besonders atmungsaktiven Schürzen und prägnant ausgeformten Doppelauspuffrohren will sie unmissverständlich auf ihre Extraklasse aufmerksam machen. Wem das zu expressiv ist, dem bietet AMG nun auch eine sogenannte Business-Version an, die sich durch eine deutlich zurückgestufte Macho-Aura auszeichnet und sich so als wahrhafter Wolf im Schafspelz empfiehlt.

Allen E 63 AMG gleich bleibt hingegen der Schmiedehammersound aus den vier eckigen Rohren, der vor allem mit seinem dumpfen Grollen eine sehr eigene Note bietet, die an das bedrohliche Dröhnen der Tante Ju erinnert, wenn diese am Himmel ihre Kreise zieht. Das hat gehobenes Gänsehautpotenzial und dürfte manche Mutter dazu verleiten, ihre Kinder schützend an sich und weg vom Straßenrand zu ziehen. Der AMG-Sound hat etwas unheilverkündendes.

Verschwenderische Naturen sind gefragt

In den familienfreundlichen Hypothekensiedlungen der Vorstädte wird das PS-Tier wohl nur selten Angst und Schrecken verbreiten, denn wer sich diese scharfe Waffe zulegen will, muss familienunfreundliche Tarife stemmen können: 109.000 Euro kostet der normale E 63 AMG mit Heckantrieb, für die noch deutlich schärfere S-Version mit Allradsystem werden sogar 123.000 Euro abgerufen.

Neben der unglaublich faszinierenden Performance bekommt man für diesen Preis ein sehr gut ausgestattetes Luxusgefährt. Die Optionsvielfalt ermöglicht allerdings selbst hier noch üppige Preisaufschläge. Der Affalterbacher Dynamik-Meister bewegt sich mit reichlich Extras selbst in der Welt des Luxus auf hohem Niveau. Insofern scheint der Preis nicht einmal überteuert.

Und wer sich eine solche Investition leisten kann, wird auch problemlos den gehobenen Verbrauch des E 63 AMG verkraften können, der im Fall der Allradversion bei knapp über zehn Litern liegen soll, sich praktisch allerdings zwischen 15 bis 20 Litern einpendeln dürfte – denn die verführerisch hohe Leistung kann man nicht ignorieren.

 
Fazit
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Noch vor wenigen Jahren hätte man es kaum für möglich halten wollen, dass eine Mercedes E-Klasse einmal in 3,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 stürmen kann. Kann sie aber und das sogar noch mit einer geschmeidigen Gelassenheit, die verblüfft und Hochkaräter wie den BMW M5 zum Altherren-Mobil degradiert.

Diesen längsdynamischen Fortschritt hat die E-Klasse vor allem dem neuen Performance-Allradsystem zu verdanken, welches es erst möglich macht, die im Überfluss vorhandene Kraft einfach in sauberen Vortrieb umzumünzen. In der besonders starken S-Version kommt außerdem noch ein Hinterachssperrdifferenzial zum Einsatz. Derart gerüstet, ist die E-Klasse ein irrsinnig scharfes Gerät und so ziemlich am Ende der Nahrungskette unterwegs.

Wer ein derart dekadentes Auto braucht, wird irre viel Spaß mit diesem teuren Überhammer haben. Doch ist der E 63 AMG nicht nur Fahrmaschine, sondern auch noch ein feiner, alltagstauglicher, höchst begehrenswerter Komfortwagen mit reichlich Verwöhnpotenzial.
 
 

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